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Protest Gegen Schließung der Geburtenstation: Crivitz wehrt sich

Von Katharina Hennes | 08.12.2019, 12:43 Uhr

Es gibt spontanen Protest gegen die Schließung der Geburtsstation in Crivitz. Eine Großdemo ist darum für den 17. Dezember angekündigt.

Sie sind wütend, enttäuscht und aufgebracht: Die Crivitzer werden die angekündigte Schließung ihrer Geburtsstation nicht hinnehmen. Das haben sie auf einer ersten Protestveranstaltung am Sonnabend in ihrer Stadt sehr deutlich gemacht. Mit Buh-Rufen, klaren Botschaften auf Plakaten und sehr emotionalen, kämpferischen Reden.

„Die Geburtsstation ist das Aushängeschild dieser Klinik. Sie war der Grund, warum Mediclin das Haus übernommen hat. Wir lassen uns diesen Ruf nicht kaputt machen“, sagte Bürgermeisterin Britta Brusch-Gamm auf den Stufen vor dem Bürgerhaus. Dort hatten sich 24 Stunden nach Bekanntwerden der Hiobsbotschaft spontan etwa 70 Crivitzer versammelt.

Schockiert und enttäuscht

Brusch-Gamm hatte von der Schließung am Freitag telefonisch durch die Klinikleitung erfahren. „Da lief die Nachricht aber auch schon in den Medien.“ Sie sei schockiert und maßlos enttäuscht darüber, wie hier landespolitisch Entscheidungen am Schreibtisch gefällt würden, ohne vorher vor Ort mit der Basis zu sprechen.

 „So könnt ihr nicht mit uns umgehen“, richtet sich Brusch-Gamm an Schwerin. Mit der Schließung werde die ländliche Region weiter geschwächt und die Entwicklung ausgebremst. „Wir müssen uns jetzt Gedanken machen, wie wir Kommunalpolitik endlich in die Köpfe der Landespolitiker bekommen“, sagte sie und stellte klar: „Wir gehen nicht auf die Straße, um Krawall zu machen oder zu meutern, sondern um eine fatale Fehlentscheidung zu verhindern.“

Nicht vorher über Schließung informiert

Kalt erwischt hatte die Nachricht von der Schließung auch das Personal der Geburtsstation. „Ich dürfte hier gar nicht stehen“, sagt Hebamme Uta Wolff ins Mikrofon. „Denn die Klinkleitung hat uns Sprechverbot erteilt. Aber das ist mir egal.

Ich habe ein Recht darauf, hier eigenständig meine Meinung zu sagen.“ Keine der sechs Hebammen auf der Station sei im Vorfeld über die Schließung informiert worden. „Wir hatten gerade erst unsere Notfall-Dienstpläne bis Januar erstellt, um die Versorgung auch über den Jahreswechsel abzusichern“, berichtete sie. Von den Müttern und Familien der Neugeborenen gebe es durchweg nur positives Feedback. „Wir hören so viel Lob von allen Seiten und dann das...“

Auch der Förderverein des Krankenhauses war nicht in die Entscheidung eingeweiht. „Bis heute sind wir nicht über die Pläne informiert worden“, sagte Vereinsmitglied Ulrich Güßmann am Sonnabendvormittag. „Vierhundert Geburten waren jedes Jahr unser Ziel. Und die sind auch jedes Mal erreicht worden.“

Käme es tatsächlich zur Stationsschließung, so Güßmann, dann sei das der „Sargnagel für das Krankenhaus“, dem mit 150 Mitarbeitern größten Arbeitgeber in der Region. Güßmann bezweifelt, dass die Entscheidung von der Ministerpräsidentin mit getragen werde. „Wir haben so viele Fördermittel für das Krankenhaus hier von ihr persönlich entgegen genommen. Da fällt es mir schwer, zu glauben, dass sie das abgesegnet hat.“

Nur noch zwei Geburtsstationen

Wird der Plan umgesetzt, dann gebe es ab Januar im Landkreis mit Hagenow und Parchim nur noch zwei Geburtsstationen. „Das ist für den zweitgrößten Landkreis der Bundesrepublik eindeutig zu wenig“, sagt Barbara Borchardt, Ausschussvorsitzende für Soziales und Gesundheit im Kreistag. „Jetzt muss Druck von der Straße kommen.“ Seit Sonntag halten die Crivitzer täglich Mahnwache vor ihrem  Krankenhaus. 

Morgen  sollen die  Häuser in der Innenstadt mit Babysachen geschmückt werden.  Die erste  Demo in Crivitz ist für den  12. Dezember 16 Uhr angemeldet.  Am 17. Dezember protestieren Parchimer und Crivitzer gemeinsam. Treffpunkt ist  16 Uhr auf dem Moltkeplatz in Parchim.

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