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Forstamt Radelübbe lässt größere Gebiete von alter Munition beräumen Gefährliche Altlast in der Viezer Heide

Von Brunhilde Schmidt | 27.12.2010, 06:20 Uhr

Die naturbelassene Viezer Heide nördlich von Hagenow hat auch bei eisiger Kälte und Schnee einen ganz besonderen Charme. Die Ruhe lädt zum Entspannen ein. Aber halt, da gibt es auch noch die Schilder: Lebensgefahr, ...

Die naturbelassene Viezer Heide nördlich von Hagenow hat auch bei eisiger Kälte und Schnee einen ganz besonderen Charme. Die Ruhe, die Wegweiser, die Wanderwege, die Heide, der Kiefernwald laden zum Entspannen ein, zu ausgiebigen Spaziergängen. Aber halt, da gibt es auch noch die anderen Hinweisschilder: Lebensgefahr; Betreten strengstens verboten; munitionsbelastetes Gebiet! "Niemand sollte diese Schilder unterschätzen", so Dr. Christof Darsow, Leiter des Forstamtes Radelübbe. "Wer sich an die Beschilderungen der Wanderwege hält, hat nichts zu befürchten, aber ansonsten lauern tatsächlich Gefahren im Boden auf einer etwa 1000 Hektar großen Fläche, die zum Forstamt Radelübbe gehört", informiert der Forstamtsleiter.

Im Boden befinden sich noch zahlreiche gefährliche Altlasten - Munitionsreste von den in Hagenow stationierten Truppen der Sowjetarmee, die in der Viezer Heide ihren Schießplatz hatten. Aber auch noch ganz alte Munition aus dem Zweiten Weltkrieg wird in dem Gebiet immer wieder gefunden und entsorgt, war von Robert Mollitor, dem Leiter des Munitionsbergungsdienstes von Mecklenburg-Vorpommern, zu erfahren.

Die Männer von der Forst und vom Munitionsbergungsdienst waren in diesen Tagen in dem Gebiet unterwegs, um zu prüfen, wie und wann bestimmte Abschnitte von den gefährlichen Altlasten gesäubert werden können. Denn schon im März, April, so war von Revierförster Matthias Fiedelmann zu erfahren, soll hier der Boden umgepflügt werden, damit sich die Kiefern selbst aussähen und wachsen können. Ohne den nicht ungefährlichen Einsatz der Männer vom Munitionsbergungsdienst ist das nicht möglich. Die Gefahr von Explosionen ist zu groß.

Thomas Cogiel, der Leiter des Muni tionszerlegungsbetriebes Jessenitz, zählt auf: Hier liegen noch immer Infanteriemunition, Flakmunition, 70-Kilogramm-Bomben und Übungspanzerfäuste.

Schon 2002 wurden einige Flächen des Forstamtes beräumt. Jetzt aber soll es Stück für Stück über die Jahre weitergehen. Vorerst haben sie zwei Flächen im Blick. "Dass sie beide belastet sind, haben wir bereits in Vorfeld bei einer Untersuchung festgestellt", so Thomas Cogiel. Während auf der einen von Bewuchs freien Fläche noch keine weiteren Maßnahmen durchgeführt wurden, war auf einer anderen zu beräumenden Waldfläche schon eine vom Munitionsbergungsdienst beauftragte Firma, die das Gebiet mit Metallsuchgeräten sondierte. Zahlreiche Löcher im Boden weisen hier darauf hin, dass sie, was Metall betrifft, oft fündig geworden sind. Allerdings zeugen zahlreiche Markierungen mit Flatterband davon, dass noch eine Menge tief im Boden steckt und unter besonderen Bedingungen und mit besonderer Vorsicht geborgen werden muss.

"Dabei muss nicht an jeder Stelle auch Munition verborgen sein, es kann sich hier um irgendwelche Eisengegenstände oder Altlasten handeln, die das Suchgerät angezeigt hat", schränkt Robert Mollitor ein. Aber äußerste Vorsicht ist immer geboten und er weist darauf hin: "Von September bis November 2009 wurden auf einem Flurstück von zwei Hektar 221 Kilogramm Kampfmittel geborgen."

So geben wir die mahnenden Worte von Robert Mollitor weiter, der alle Spaziergänger warnt: "Keine unbekannten Metallgegenstände anfassen oder mitnehmen, sofort die Polizei informieren, die sich dann an den Munitionsbergungsdienst wendet."

In wenigen Wochen werden die gefährlichen Flächen beräumt. Die beiden Munitions-Experten haben sich von den Arbeiten ein Bild gemacht. Die Förster sind zufrieden, dass eine Fläche in ihrem Revier wieder aufgeforstet und eine andere bewaldete von den gefährlichen Altlasten befreit werden kann.

Noch sind zahlreiche weitere Gebiete, so auch in den Rosenower Tannen und bei Zarrentin, zu beräumen. Ohne Risiko ist die Arbeit im Wald auch in Zukunft nicht.