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Essen in Schwerins Partnerstädten Ein Prosit auf den Tannenbaum

Von CHRI | 21.12.2016, 12:00 Uhr

Weihnachtlicher Gaumenschmaus aus Schwerins Partnerstädten – Heute: Tallinn und die estnische Küche

Bei Georg-Christian Riedel war schon vor dem 24. Dezember Bescherung. Aus Tallinn erreichte ihn ein kleines Weihnachtspaket mit Schokolade und Likör aus der estnischen Hauptstadt. „Vana Tallinn ist ein beliebter Schnaps, der auch zu Weihnachten in Estland getrunken wird“, erzählt er. Doch die Esten trinken nicht nur ihr „Tallinner Wasser“ an den Feiertagen – gegessen wird natürlich auch. „Im Wesentlichen sind die Speisen an die deutschen Mahlzeiten angelehnt“, erklärt der 63-Jährige. „Aber es gibt auch Spezialitäten.“ Auf dem Esstisch landen am Heiligen Abend in Estland Blutwurst mit Sauerkraut, Salat mit Roter Bete und Bockwurst, süße Sülze aus Kalbsfleisch und Piroggen mit Kohl oder Fleisch gefüllt.

Die Teigtaschen gibt es dann noch mal am letzten Tag im Februar. „In Estland wird erst dann der Weihnachtsbaum entsorgt“, so Riedel. „Damit läuten die
Esten den Frühling ein.“ Dann gibt es Piroggen in klarer Brühe.

Wie eng das estnische Weihnachtsessen mit anderen Regionen und Ländern in Osteuropa verknüpft ist, zeigt das Festagsmenü der Großeltern von Georg-Christian Riedel. „Mein Großvater stammt aus Schlesien, dort gab es zum Mittag Kuchen und abends nach der Kirche Bierwurst mit Sauerkraut und Kartoffeln.“

Auch in Estland gehen die Menschen am 24. Dezember in die Kirche, danach ist Bescherung. Auch ein Weihnachtsbaum steht in den Wohnzimmern. „Die Esten sind der festen Überzeugung, dass die Tradition des Baumes aus Tallinn kommt“, so Riedel. „Doch seit Jahren behauptet die lettische Hauptstadt Riga, den ersten Weihnachtsbaum aufgestellt zu haben.“

Die Faszination für Estland begleitet den CDU-Stadtvertreter schon länger. „Mein ehemaliger Schulkamerad kommt aus Estland und ist zu DDR-Zeiten nach Schwerin gezogen.“ Auch entfernte familiäre Bande verbinden ihn mit dem baltischen Staat. Daher war es für ihn selbstverständlich, vor mehr als zehn Jahren die Partnerschaft zwischen Schwerin und Tallinn wieder aufleben zu lassen. Seitdem engagiert sich der ehemalige Lehrer mit der Mathe-Olympiade, einer Kooperation bei der Berufsausbildung im kommenden Jahr und zahlreichen Besuchen in Tallinn für ein gutes Verhältnis. „Ich bin mindestens einmal im Jahr in Estland“, erzählt Riedel. „Dort kann ich meine Batterien wieder aufladen.“ Besonders die Euphorie und Begeisterung des Volkes sowie die zügige Entwicklung der Stadt fasziniere ihn. „Die Menschen sind hungrig – nicht nur zu Weihnachten.“