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Kunstvolles Handwerk Ein Kirchenfenster nach dem anderen

Von KFRI | 17.11.2018, 21:00 Uhr

Spezialisten aus dem Stepenitztal sind in ganz Mecklenburg-Vorpommern gefragt

In den vielen kleinen Bleiglasscheiben funkelt das Herbstlicht. Den etwa 100 Vereinsmitgliedern des „Fördervereins zur Erhaltung der Dorfkirche Groß Tessin“ dürfte das Herz höher schlagen, wenn sie demnächst das neue Kirchenfenster an der Südseite des gotischen Backsteinbaus in Groß Tessin bei Neukloster entdecken. Denn das von der Firma Brüggemann aus Schönfeld Mühle kunstvoll gearbeitete Stück ist Ausdruck ihrer hartnäckigen ehrenamtlichen Arbeit. Damit konnten sie inzwischen das dritte Kirchenfenster innerhalb von vier Jahren vollkommen aus eigener Kraft erneuern. Das Dach und das Mauerwerk der gotischen Backsteinkirche von 1237 konnten bereits in den Jahren zuvor erneuert werden, mit Hilfe von Fördermitteln und mit der Unterstützung des Vereins. Doch auch die hohen Bleiglasfenster bedürfen einer Sanierung, sie sind undicht und lassen Kälte und Nässe in den Kirchenbau. Dafür gibt es keine Fördermittel. Das Geld dafür sammeln die Vereinsmitglieder bei Veranstaltungen wie Sommerfesten und Konzerten. Die Mitglieder kommen aus ganz Nordwestmecklenburg, aber auch Rostock und Berlin, die wenigsten haben einen religiösen Hintergrund.

Die Erneuerung der Kirchenfenster, von denen eines zwischen 4000 und 8000 Euro kostet, übernimmt jedes Mal die Firma Brüggemann aus Schönfeld Mühle. Glasermeisterin Luise Brüggemann und ihr Mann Andreas sind mittlerweile die einzigen Spezialisten für Bleiglasfenster in ganz Mecklenburg-Vorpommern. Die Meisterin macht seit 30 Jahren nichts anderes, Andreas Kluth-Brüggemann seit 25 Jahren. „Ein Kollege aus Rostock hat gerade aufgehört“, erzählt die Handwerkerin, als sie in dieser Woche das Kirchenfenster in Groß Tessin einbaut. „Aber es gibt natürlich auch Firmen von weiter her, die in MV Aufträge ausführen, zum Beispiel aus Sachsen-Anhalt.“ Sie habe zusammen mit ihrem Mann aber ein gutes Auskommen durch ihre Aufträge.

Dabei gibt es an den alten Gemäuern, mit denen die Brüggemanns ständig zu tun haben, immer wieder Überraschungen. „Hier ist der Mörtelstreifen ein einziger Krater, deshalb brauchen wir länger“, erklärt die Meisterin. „Normalerweise komme ich mit einer winzigen Mörtelkelle aus, hier brauche ich eine richtige. Keine Ahnung, was hier passiert ist.“ Die Bleiglasfelder werden in der Werkstatt vorgefertigt. Für die Bleiumrandung in Rautenform werden Rohlinge gekauft und in der Werkstatt maschinell durch den Bleizug auf das entsprechende Maß gebracht. Weil Blei giftig ist, müssen die Brüggemanns besonders darauf achten, nach der Arbeit und vor jedem Essen und Trinken ihre Hände zu waschen.