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Spornitz Ein Herz für die Gescheckten

Von Uwe Köhnke | 06.02.2010, 01:57 Uhr

Winterzeit ist es in diesem Jahr in der Lewitz nicht nur dem Kalender nach.

Es ist später Vormittag im Lewitzdorf Spornitz. Auf eine verschneite Koppel stürmt eine kleine Gruppe Pferde. Einige der Gescheckten wälzen sich ausgelassen im Schnee. Der Züchter steht in der Tür seines Gehöftes und schaut dem Treiben lächelnd zu.

Holger Behrens ist Tierfreund mit Leib und Seele. Nicht nur, weil er die Pferde so liebt. Hinter ihm lugt verstohlen ein Kater aus dem Schuppen. Der Spornitzer hat ihn auf einer seiner

Kuriertouren am Straßenrand aufgelesen, ihm buchstäblich das Leben gerettet. Später im Haus wird Holger Behrens einen Beagle streicheln, die Hündin stammt aus einem Versuchslabor und hat es auf dem Behrensschen Hof wieder gelernt, Vertrauen zu Menschen zu fassen.

Gemeinsam mit Ehefrau Andrea betreibt der 55-Jährige die Lewitzscheckenzucht aus Leidenschaft. Als die Rasse im damaligen Volkseigenen Gut Neustadt-Glewe ihre Wiege hatte, arbeitete Behrens dort als Pferdepfleger. Er hat diese gutmütigen und kinderlieben Tiere in sein Herz geschlossen. Umgänglich, anhänglich, keineswegs bös artig seien die, schwärmt der Züchter, der schon beachtliche Erfolge aufzuweisen hat. Giny ist im vergangenen Jahr auf der Landwirtschaftsausstellung in Mühlengeez bei Güstrow Staats prämienstute geworden. Und sein Hengst Grandy ist in Züchterkreisen sehr gut bekannt. Vor einiger Zeit hat Holger Behrens Pferde nach Bulgarien verkauft - "sehr gut", wie er sagt.

Als der Spornitzer in den 70er-Jahren im Gut arbeitete, waren die Lewitzschecken noch kleine Pferde, die besonders den Kindern der Mitarbeiter als Spielgefährten dienten. Dieses Idealbild der Lewitzschecken habe sich im Laufe der Jahrzehnte geändert, erklärt der erfahrene Züchter. Insgesamt seien heute größere Exemplare der Rasse gefordert, etwa mit einem Stockmaß ab 1,40 Meter. "Von solchen Pferden haben die Menschen viel länger etwas - nicht nur als Kind. So begleiten die Lewitz schecken ihre Besitzer heute viele Jahre", erklärt Holger Behrens. Es bekümmert ihn, dass viele Pferdeliebhaber diese Rasse aus dem Nordosten Deutschlands gar nicht kennen.

Wie jene Familie, die im Oktober vorigen Jahres auf der Suche nach einem idealen Familienpferd war. Von Lewitzern hatte sie noch nie etwas gehört, als sie sich im Internet auf die Suche begab. Letzten Ende war es eine Schwarzscheckstute, die die Familie dann von Holger Behrens kaufte. Noch heute kommen regelmäßige Berichte in Spornitz an, die bezeugen, wie zufrieden die Westdeutschen mit ihrer Vierbeiner-Wahl sind.

Ein bitteres Kapitel ist es für Behrens, dass es bei der Lewitzer-Zucht so zu sein scheint wie in vielen Dingen des Lebens: Der Prophet gilt wenig im eigenen Land. Behrens ist Mitglied der 59 Züchter und Halter umfassenden Interessengemeinschaft der Lewitzscheckenzüchter. Und es liegt ihm noch heute auf der Seele, dass sie im Vorjahr in Mühlengeez sich nur am Rande des Geschehens präsentieren durften. In Redefin, dem Mekka der Pferdezucht in hiesigen Breiten, hätten sie es auch nicht gerade leicht, sagt Behrens. Da scheint noch viel Überzeugungsarbeit nötig.