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Schwerin Die Galgenberge von Schwerin

Von BERT | 11.12.2017, 08:00 Uhr

Dieter Greve hat alte Flurnamen der Stadt erforscht und erklärt deren Herkunft

Der langjährige frühere Leiter des städtischen Kastaster- und Vermessungsamtes, Dieter Greve, hat in Schwerin einen Namen als profunder Kenner der Stadtgeschichte. Jetzt hat er mit Unterstützung des Stadtarchivs die Broschüre „Flurnamen der Landeshauptstadt Schwerin“ herausgegeben. Darin werden – nach Stadtteilen geordnet – hunderte alte Bezeichnungen von markanten Punkten der Landschaft, von Gewässern, Wäldern, Straßen und Plätzen, Gebäuden und Ereignisorten aufgelistet und erläutert.

„Wir wollen Stadtgeschichte lebendig halten und Schwerinern und Zugezogenen erklären, warum noch heute bestimmte Orte und Straßen Namen tragen, die eigenartig klingen“, sagte Ulrich Frisch, Leiter der Unteren Vermessungs- und Geoinformationsbehörde der Landeshauptstadt, bei der Vorstellung der 130 Seiten starken Publikation. Zudem könnten aus der Broschüre Anregungen für neue Straßennamen in der Stadt entspringen.

Vor allem aber liefert sie Erklärungen. So hatte Schwerin zum Beispiel einst mehrere Galgenberge. Landläufig bekannt ist der auf dem heutigen Alten Friedhof. Aber auch an der Stelle, an der sich der Platz der Freiheit befindet, stand früher ein Galgen. „Dort führten einst wichtige Post- und Handelsstraßen nach Hamburg, Lübeck und Lüneburg entlang. Die Galgen sollten Straßenräuber abschrecken“, erzählt Greve. Interessant auch die Erklärung für den Namen Spitzbubenloch auf Schelfwerder. „Dort haben früher im Winter, wenn die Seen zugefroren waren, Schweriner Holz gestohlen und übers Eis in die Stadt gezogen“, erklärt der Heimatforscher.

Lustig klingt, dass früher die Eselswiese auf dem heutigen Marienplatz war, der aber damals noch vor den Toren der Stadt lag. Der Name ist verschwunden, nicht aber der von den Wadehängen. Der Hang oberhalb des Neumühler Sees diente früher den Fischern zum Trocknen ihrer Netzte, der Waden.

Für Greve ist seine neue Broschüre bereits die siebente Publikation zu Flurnamen im südlichen Westmecklenburg. Sie enthält neben Erläuterung zur Herkunft und Lage von Ortsbezeichnungen auch historische und aktuelle Karten. Die Broschüre ist für zwölf Euro im Bürgerbüro und im Internet unter Geo-Shop Schwerin erhältlich.