Ein Angebot des medienhaus nord
Ein Artikel der Redaktion

Kreatives aus Schwerin Der Hang zum Einzigartigen

Von Maren RamnkeHfer | 04.08.2015, 21:00 Uhr

Ohrringe aus Fischhaut, Schlafsack-Taschen: Gründerwettbewerb-Finalistin Luise Gronostay hat mit ihrem Laden einen Nerv getroffen

„Berlin kann jeder, Schwerin muss man wollen“, steht auf einem kleinen Holzblock. Den putzigen Deko-Klotz und noch mehr Staunenswertes gibt es im Kreativkaufhaus in den Schweriner Höfen. Luise Gronostay gehört der liebevoll eingerichtete Laden. Sie ist die erste aus der Gewinner-Riege des diesjährigen Gründerwettbewerbes von Stadt, IHK und Einzelhandelsverband, die mit ihrer Idee auf dem Markt ist. Dort verkauft sie Selbstgemachtes von mehr als 70 Kreativen, vorwiegend aus der Region.

Ohrringe aus Fischhaut oder Beton, Filzblumen, vegane Dips, Schultertaschen aus Schlafsäcken, Badesalz, bunte Kinderkleider, selbstgemachte Schultüten nebst passendem Kleidchen, Anhänger aus Überraschungseiern – die Palette ist riesig, fast jedes Stück ein Unikat. „Wir bedienen hier eigentlich jedes Klientel und nehmen auch Bestellungen an“, sagt Luise Gronostay lächelnd und erzählt von einem Einstecktuch für einen Hochzeitsanzug, das unlängst als Auftragsarbeit genäht wurde. Dann nimmt sie einen Schluck Fair-Trade-Kaffee im Sonnenschein vor dem Kreativkaufhaus. Dazu vielleicht eine Leckerei von Miss Törtchen, den Gewinnern des ersten Schweriner Gründerwettbewerbes? Teamwork wird offenbar groß geschrieben bei den Jung-Unternehmern mit den kleinen Altstadt-Läden.

Der kleine Holzklotz mit dem launigen Spruch steht übrigens noch für ein weiteres Prinzipien von Luise Gronostay: „Ich möchte den Lokalpatriotismus fördern.“ Kettchen mit Schwerin-Anhängern und T-Shirts mit Wappendruck gibt es hier – nicht für Touristen, sondern für stolze Schweriner. Bedingung: Retro-Stil ist erlaubt, verstaubte Piefigkeit nicht.

Luise Gronostay selbst hat ihr Herz für Schwerin vor zwölf Jahren entdeckt. Sie stammt aus Stendal, hat aber in der Landeshauptstadt ihre Liebe gefunden, ihre Ausbildung gemacht und gearbeitet. „Die vergangenen Jahre war ich als selbstständige Promoterin im Ostseegebiet unterwegs“, sagt die 29-Jährige. „Als ich mein Kind bekommen habe, war die Zeit des Umherfahrens vorbei.“ Aber die Umtriebigkeit nicht.

Luise Gronostay organisierte einen Kinderflohmarkt in den Schweriner Höfen, dann zwei eintägige „Kreativhöfe“ und im Dezember einen Pop-up-Store, einen „Laden auf Zeit“ mit etwa 40 verschiedenen Anbietern. Der lief so erfolgreich, dass sie den Sprung in die Selbstständigkeit vier Monate später riskierte. „Die Schweriner Höfe haben mir sehr geholfen und aus drei leer stehenden Läden einen großen gemacht“, sagt Luise Gronostay. 110 Quadratmeter Verkaufsfläche erwarten die Kunden nun im Klöresgang – mit Sachen, die es bislang nur auf Märkten oder im Internet zu kaufen gab. „Fast jeden meiner Anbieter habe ich im Internet gesucht, angeschrieben und mit ihm verhandelt. Manche habe ich auf Märkten getroffen und angesprochen.“

Nahezu alle Kreativen, die ihre Waren bei Luise Gronostay anbieten, arbeiten zum Broterwerb in einem anderen Beruf. An Nähmaschine oder Basteltisch setzten sie sich nach Feierabend – aus Lust und Leidenschaft, aber mit Gewerbeschein. Der ist Bedingung, um im Kreativkaufhaus gelistet zu werden.