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Weihnachten in Corona-Zeiten Heiligabend bleibt die Kirche leer

Von Katja Müller | 27.10.2020, 13:17 Uhr

Uelitzer Pastorin Kristin Gatscha plant für den 24. Dezember Andachten unter freiem Himmel in acht Orten

Gut gefüllte Kirchenbänke. Neben dem Altar erstrahlt der Weihnachtsbaum im Kerzenschein. Und aufgeregtes Gekicher unter den Konfirmanden, weil gleich das Krippenspiel beginnt. Alles schöne Erinnerungen aus vergangenen Jahren - Zeiten ohne Corona. Denn die Pandemie macht dem geselligen Weihnachtschor den Garaus, lässt Kirchen am Heiligen Abend dunkel und stellt die Pastoren vor ganz neue, nie dagewesene Herausforderungen.

Kein Weihnachtsbaum in der Kirche

Knapp zwei Monate haben sie noch Zeit, dann ist der 24. Dezember. Diesem Tag sieht auch Kristin Gatscha mit gemischten Gefühlen entgegen. Denn so richtig mag sie sich noch nicht vorstellen, dass am Heiligabend in den Gotteshäusern ihrer Kirchengemeinde keine Tannenbäume stehen. Doch die Realität wird sie einholen. "Der Gemeindekirchenrat hat bereits beschlossen, dass wir darauf in diesem Jahr verzichten können. Ich kann die Menschen am Heiligabend nicht in die Kirche lassen. Wir können die Abstände gar nicht einhalten", sagt sie und zieht ein kleines Heft aus der Tasche.

Teilnahmezettel zum Ausfüllen

Der Gemeindebrief der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde. Diesmal nicht nur mit Ankündigungen und kleinen Berichten, sondern auch mit Teilnahmezetteln. Zum Ausfüllen mit Name, Adresse sowie Telefonnummer und anschließendem Ausschneiden. Denn in den Orten der Kirchengemeinde wird Weihnachten gefeiert. Nur eben ganz anders. Auf Abstand und unter freiem Himmel. Die Pastorin macht sich mit einer kleinen Delegation auf den Weg zur Weihnachtskrippe und legt kleine Stationen bei den Menschen vor Ort ein. "Ich werde in diesem Jahr in acht Dörfern Weihnachtsandachten halten. Meist direkt vor den Kirchen. In den Orten, in denen es keine Kirche gibt, haben wir einen zentralen Platz ausgewählt", erklärt Kristin Gatscha.

Heiligabend in der Kirchgemeinde Uelitz
14 Uhr Goldenstädt vor der Kirche
14.30 Uhr Jamel am Spielplatz
15 Uhr Mirow vor der Kirche
15.30 Uhr Lübesse am Gemeindehaus
16.30 Uhr Fahrbinde am Gemeindehaus
17 Uhr Kraak am Gemeindehaus
17.30 Uhr Rastow am Gemeindehaus
18 Uhr Uelitz auf dem Pfarrhof

Allen, die sich nur schwer vorstellen können, dass es ein schönes Weihnachtsfest ohne den Gottesdienst geben kann, gibt sie einen entscheidenden Satz aus der Weihnachtsgeschichte mit auf den Weg.

„Denn es war kein Platz in der Herberge.“
Aus der Weihnachtsgeschichte

"Denn es war kein Platz in der Herberge." Seit Jahrzehnten ist der Satz in den Kirchen zu hören. In diesem Jahr wird er wieder wahr. "Corona darf uns aber nicht auch noch das Weihnachtsfest kaputt machen", sagt Kristin Gatscha mit Nachdruck und hofft, dass möglichst viele ihrer Einladung folgen und am Heiligabend vor die Kirchen oder zu den Gemeindehäusern kommen.

Teilnahmezettel mitbringen

Wichtig ist allerdings, dass möglichst alle an ihren Teilnahmezettel denken. "Wir brauchen Namen, Adresse und Telefonnummer. Entsprechende Vordrucke sind im Gemeindebrief. Wer den nicht hat, kann auch selbst einen Zettel schreiben und mitbringen", sagt sie. Ebenso sollte - je nach Wetterlage - an warmes Schuhwerk, Mütze und dicke Jacke gedacht werden sowie an eine Mund-Nase-Bedeckung. "Sicher ist sicher", schiebt die Pastorin hinterher.

„Auf jeden Fall wird es trotzdem festlich und wir machen es uns schön.“
Pastorin Kristin Gatscha

Etwa 15 Minuten werde sie an jedem Ort verweilen und mit den Gästen singen, beten und aus der Weihnachtsgeschichte lesen. "Das Krippenspiel wird es coronabedingt auch nicht geben. Vielleicht fällt uns da noch etwas ein. Auf jeden Fall wird es trotzdem festlich und wir machen es uns schön. Nur eben anders als sonst", versichert Kristin Gatscha.

Licht der Weihnacht für zu Hause

Und jeder Gast bekomme das Licht der Weihnacht mit auf den Heimweg. "Das kann dann ins Fenster gestellt werden und wir schaffen so eine Verbindung zwischen den Menschen, wenn sie schon nicht gemeinsam in der Kirchenbank sitzen können."

Propst Marcus Antonioli beschäftigt sich seit August mit dem Thema Weihnachten unter Corona-Bedingungen. "Wir sind stets in enger Abstimmung mit den Behörden. Einige Gemeinden bieten Christvesper mit Eintrittskarten an, andere wählen Modelle unter freiem Himmel. Manche gehen den medialen Weg", sagt der Propst.

Auch an die Heimbewohner denken

Für ihn ist aber klar: "Weihnachten wird nicht ausfallen. Es wird nur etwas anders sein", versichert Marcus Antonioli. Er hofft, dass die Zahlen weiterhin niedrig bleiben und verspricht, auch die Bewohner in den Heimen nicht zu vergessen. "Das wird jetzt zu Weihnachten besser laufen als Ostern", ergänzte er.