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Lübstorf Bittere Pille zur Kita-Eröffnung

Von Rüdiger Rump | 02.09.2009, 02:13 Uhr

Die neue Kindertagesstätte "Schweriner Seefahrer" an der Klinik in Lübstorf ist fertig: Gestern zogen die ersten 50 Mädchen und Jungen ein. Sie wurden bislang in zwei eigenständigen Einrichtungen von Gemeinde und Klinik betreut. Die Eltern mussten allerdings unvorbereitet eine bittere Pille schlucken, denn ihr Beitrag stieg um die Hälfte.

Im Gebäude riecht alles neu, nach Farbe oder dem Mobiliar. An den Außenanlagen wird derweil emsig gearbeitet. Die Rasensaat braucht dringend Regen, das Grundstück einen Zaun, damit die Kinder den freundlich gestalteten Hof nutzen können. Die Räume aber haben die Erzieherinnen nett hergerichtet, gestern zogen die Kinder ein. Die neue Einrichtung in Lübstorf, von einer bei der Klinik Schweriner See angesiedelten Kita Service GmbH betrieben, bietet 36 Krippen- und 75 Kindergartenplätze. Die Betreuung erfolgte bislang in einer veralteten, sanierungsbedürftigen Kita der Gemeinde und einer kleinen Einrichtung der Klinik. Alle Erzieherinnen wechselten ins neue Haus.

"Wir freuen uns riesig, dass es jetzt mit der Eröffnung geklappt hat. Die Räume sind viel größer und schöner", freut sich Kita-Leiterin Jenny Görtz. "Jetzt wollen wir uns, die Erzieherinnen aus beiden Kitas, möglichst schnell kennen lernen und das gemeinsam erstellte Konzept umsetzen. Dabei steht die Gesundheitsförderung noch mehr im Vordergrund." Es werde auf eine Anerkennung als Kneipp-Einrichtung hingearbeitet, fügt Koordinatorin Susanne Hacker an. Dazu brauchten alle Erzieherinnen eine entsprechende Ausbildung.

Auch Uta Schmidtke, zuvor

in der kommunalen Einrichtung "Anne Frank", zeigt sich von dem neuen Haus angetan "Die Eltern, mit denen ich heute gesprochen habe, sind begeistert von der Aufteilung der Räume. Sie sind interessant gestaltet, etwas versetzt, eben nicht nach Schema F. Das Haus ist eine riesige Verbesserung für Kinder und Erzieher."

Kerstin Behrendt und Nicol Bergmann bestätigen das gern. "Sehr freundlich" und "wirklich schick" finden die beiden Mütter die neue Einrichtung. Nicol Bergmann aus Seehof hat auch Tochter Anni, gerade sieben Wochen alt, schon angemeldet. Der vierjährige Nils spielt längst im Gruppenraum. Schade, dass der

Elternbeitrag so deutlich gestiegen ist, ärgern sich die beiden Frauen. "Es gab vorab weder eine Information noch eine Begründung. Wir haben das erst am Sonnabend erfahren, als der neue Vertrag mit der Post kam", so Kerstin Behrendt. Eine bittere Pille auch für Nicole und Ralf Bernhardt. "Wir sind geschockt", sagt der junge Vater ohne Umschweife. "Dass Eltern aus Lübstorf und Seehof gar nichts bezahlen müssen, wie es anfangs hieß, habe ich gleich bezweifelt. Mit dem gleichen Beitrag wie bisher hätten wir auch noch leben können, aber es sind über 50 Euro mehr."

Platzkosten wie jede andere Einrichtung kalkuliert "Wir mussten die Platzkosten wie jede andere Einrichtung kalkulieren. Leider waren die Verhandlungen darüber erst sehr spät möglich, so dass wir nicht rechzeitig informieren konnten", erklärt Christoph Essmann, Verwaltungsdirektor der Klinik, auf SVZ-Anfrage. "Das Entgelt, das sich Gemeinde und Eltern teilen, halten wir angemessen für die hohe Betreuungsqualität." Dafür stehen neben moderner Einrichtung und Gesundheitsförderung unter anderem musikalische Früherziehung, Englisch, Yoga und Kochprojekte zur gesunden Ernährung. Essmanns Vorgänger Jochen Heumos hatte allerdings immer wieder mit Beitragsfreiheit der Eltern aus den beteiligten Gemeinden geworben. "Lübstorf hat schon lange mehr gezahlt als vorgeschrieben und dadurch den Beitrag der Eltern verringert. Wir lassen sie auch diesmal nicht im Regen stehen", sagt Bürgermeister Rudi Peters. Um den Elternbeitrag stabil zu halten, müsse die Gemeinde aber für ein Jahr 60 000 Euro mehr aufbringen.