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Jubiläum in Schwerin Bauspielplatz wird volljährig

Von TIWE | 02.06.2017, 08:00 Uhr

Verein feiert zum 18. Geburtstag mit vielen Kindern an der Marie-Curie-Straße und weiht Mecklenburgs ersten Kletterfelsen ein

„Wir glauben, dass Menschen durch Erfahrungen lernen. Dieses Erfahren braucht Erfahrungsräume – diese Räume wollen wir drinnen und draußen schaffen“, sagt Sozialarbeiter Matthias Glüer vom Verein Bauspielplatz. „Wir glauben, dass der Mensch konkrete Erlebnisse braucht, um über eine aktive, reflexive Auseinandersetzung zu Lernergebnissen zu kommen. Die Reflexion, das intensive Nachdenken über solche Problemsituationen führt zu lehrreichen Erfahrungen und damit zur Erweiterung des Wissens.“ Was ziemlich theoretisch klingt, lebt der Verein seit 18 Jahren erfolgreich in der Kinder- und Jugendarbeit aus. Und das nicht nur auf dem Gelände an der Marie-Curie-Straße, wo gestern zahlreiche Kinder und Jugendliche gemeinsam mit Partnern, Freunden und dem Team des Bauspielplatzes den Geburtstag feierten.

Auch der Lernort Raben Steinfeld gehört ebenso zum Programm des Vereins wie Angebote des Spielmobils in einzelnen Quartieren oder der nicht mehr wegzudenkende mobile Pizzaofen. Letzterer hat jüngst sein Angebot erweitert und lädt jetzt auch Flüchtlingskinder zum Mitmachen ein. „Das kommt richtig gut an“, sagt Matthias Glüer. Ein regelrechter Ansturm herrsche, wenn der Pizzaofen in der Magdeburger Straße befeuert werde. Das einstige Schullandheim in Raben Steinfeld hatte der vor 18 Jahren gegründete Verein 2007 übernommen. Die beiden dazugehörigen großen Gebäude liegen auf einem 14 000 Quadratmeter großen Grundstück direkt am Schweriner See. „Ein perfekter Lernort“, sagt Matthias Glüer.

Die jüngste Errungenschaft des Vereins Bauspielplatz ist der elf Meter hohe Kletterfelsen aus Beton – der erste in Mecklenburg. Für die Pädagogen aus den drei Dreescher Stadtteilen ist die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen am Kletterfelsen perfekt. „Kinder und Jugendliche erkennen schnell ihre eigenen Grenzen beim Erklimmen“, erklärt Matthias Glüer. „Gleichzeitig müssen sie einander vertrauen, dass der jeweils andere für ihre Sicherheit sorgt. Das ist ein wichtiger pädagogischer Ansatz.“

Möglich wurde der Kletterfelsen dank des Verfügungsfonds Soziale Stadt. Im Auftrag der Stadt hat die Landesgrunderwerb den Felsen errichtet – und auch gleich eine Boulder-Wand dazu. Das ist eine kleine, schräg überhängende Wand, die ohne besondere Sicherungen das Klettern ohne Seile ermöglicht. „Hier können die Kinder die Klettertechniken erlernen, bevor es an den großen Felsen geht“, erklären die erfahrenen Kletterer vom Mecklenburger Bergsteiger Club, der rund 500 Mitglieder zählt. Der Sportverein erhält auf dem Bauspielplatz somit auch eine Trainingsstätte und übernimmt dafür mit die Betreuung und Sicherung vor Ort. Das soll künftig auch für interessierte Erwachsene gelten, für die eigene Kletterzeiten geschaffen werden sollen.

Übergeben haben gestern ganz offiziell Baudezernent Bernd Nottebaum und Sozialministerin Stefanie Drese den Kletterfelsen an den Bauspielplatz-Verein. Die Sozialarbeiter des Stadtteils haben diese Woche aber schon trainiert.