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Sukow Auf dem Weg zur kleinen Leseratte

Von SALA | 15.12.2017, 16:00 Uhr

Vorreiter-Projekt an der Grundschule Sukow: Ehrenamtliche Lesepaten nehmen sich Zeit für Kinder und schmökern in Büchern

Wuselig ist es im Klassenraum. Es ist nach 12 Uhr, sechste Stunde, da fällt das Konzentrieren für einen Siebenjährigen schon einmal schwerer. Doch die quirligen Sukower Grundschüler werden in der nächsten halben Stunde ganz still und fokussiert sein – dank der Anziehungskraft der geschriebenen Worte und der stets geduldigen Lesepaten.

Helmut Priesemann, Wolfgang Könn, Brigitte Jennerjahn, Sibylle Rüping, Antje Dosdall und Gisela Hensel kommen jede Woche an die Sukower Grundschule, um mit den Sieben- und Achtjährigen zu lesen. Was für einen gut geschulten Erwachsenen simpel klingt, ist eine Grundkompetenz für das weitere Leben der Kinder. „Ich sage immer: ,Wer lesen kann, ist später klar im Vorteil’“, erklärt Anette Siggelkow. Vor fünf Jahren ist sie an die Sukower Grundschule als Lehrerin gekommen. Vorher war sie an einer Sonderschule tätig. Nicht nur dort hat sie die Einstellung mitgenommen, dass Lesen eine der höchsten Kompetenzen für das spätere Leben ist. „Wer nicht nur die Worte vorlesen kann, sondern auch den Sinn des Satzes versteht, der hat es dann auch beispielsweise bei mathematischen Textaufgaben leichter“, formuliert es die Grundschullehrerin. Aus diesem Ansinnen heraus, das Lesen zu fördern und weil es vom Ministerium eine zusätzliche Stunde im Lehrplan dafür gibt, hat sich Anette Siggelkow nach Lesepaten umgehört und Omas, Opas, Eltern mit ins Lese-Übungs-Boot geholt.

Entspannt sitzt Helmut Priesemann im Klassenraum vor der Tafel. Eddy, Merle, Megan, Louis und Luke haben ihm gegenüber auf ihren kleinen Stühlen am Tisch Platz genommen und den Blick auf „Mama Muh“ gerichtet. Satz für Satz teilen sich die fünf Grundschüler den Text des Kinderbuches auf, erfahren so, welche Geschichten Mama Muh erlebt. Helmut Priesemann unterstützt, wenn etwas unklar ist. Der Rentner ist von Anfang an bei dem Projekt dabei. Anette Siggelkow hat ihn angesprochen, weil er bereits in der Kita regelmäßig als Vorlesepate aktiv war. „Früher wollte ich Lehrer werden, jetzt darf ich mit den Kinder das Lesen üben“, freut sich 70-Jährige über sein Ehrenamt. Er ist einer von insgesamt sechs Lesepaten, die in Kleingruppen mit den Grundschülern das Lesen vertiefen. „Es ist schön zu sehen, welche Fortschritte die Kinder machen“, sagt Lesepatin Antje Dosdall, und Gisela Hensel fügt hinzu: „Es ist ein sinnvolles Projekt, es geht ja nicht nur ums Lesen, sondern auch ums Zuhören.“

Die Wuseligkeit ist verflogen. Entspannt und mit gespitzten Ohren sitzen die Grundschüler, Anette Siggelkow und die übrigen Lesepaten im Klassenraum. Helmut Priesemann liest zum Abschluss der Lesepaten-Stunde aus dem „Magischen Baumhaus“ vor – und zieht die kleinen Leseratten in den Bann der Bücher.