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Hagenow Auf Befehl in alle Welt verstreut

Von Mayk Pohle | 17.10.2009, 01:57 Uhr

Hagenows Grenadiere bewähren sich in diesen Tagen nicht nur als Schmiede für die Rekruten - der Verband steckt voll im Einsatzgeschehen. Derzeit sind Hagenower Soldaten nicht nur in Kunduz eingesetzt. Gut 30 Mann gehören seit Wochen zur schnellen Eingreiftruppe der Bundeswehr in Afghanistan.

Michael Felten braucht in diesen Tagen ein gutes Gedächtnis, wenn er im Kopf seine Leute zusammenzählen will. Die Soldaten seines Bataillons sind nämlich ein Spiegelbild der zerrissenen Einsatzlage der Bundeswehr. Rund 90 Mann der zweiten Kompanie kommen in diesen Tagen nach monatelangem Einsatz aus dem Kosovo zurück, die nächsten Soldaten gehen in diesen Tagen in den Einsatz auf den Balkan. Dieses Rotationssystem läuft bereits seit Monaten, Hagenow schickt jetzt das dritte Kontingent nach Prizren.

Parallel und von der Öffentlichkeit bisher unbemerkt stellen die Hagenower einen Zug der so genannten "Quick Reaction Force". Die 30 Mann gehören damit zu dem Team, das unter Garantie die gefährlichsten Einsätze bekommt und auch schon die ersten Feuergefechte mit den Taliban hinter sich hat. Genauere Angaben sind schon aus Sicherheitsgründen nicht zu bekommen. Schon jetzt steht fest, dass die Hagenower in den kommenden Monaten zwei weitere Züge für die Krisenkräfte stellen müssen, insgesamt geht es um weitere 65 Mann. Diese Auswahl zeigt auch, wie hoch die Qualität der Hagenower Soldaten geschätzt wird, in die Sondertruppe, die zur Not auch die eigenen Leute raushauen soll, wird schließlich nicht jeder berufen.

Doch damit nicht genug, neben den größeren Kontingenten, die zu stellen sind, gibt es auch die Einzelkommandierungen. So wird sich Bataillonskommandeur Felten ab Mitte November nicht um seine Truppe kümmern können, er wird selbst abkommandiert in den Kosovo als Chef des Stabes für das deutsche Einsatzkontingent in Prizren. Sein Stellvertreter, Major Andreas Kerl, ist bereits seit Monaten im Kosovo. Und so zieht sich das fort, so dass die Lage im Bataillon fast täglich eine neue ist. "Dennoch ist es nicht so, dass man als Kommandeur nicht an seine Leute denkt. Wenn das Handy klingelt, hofft man schon, dass es sich um gute Nachrichten aus den Einsatzgebieten handelt", berichtet Oberstleutnant Felten.

Für die Zukunft gibt es aber auch gute Nachrichten. Im kommenden Jahr, so besagen es zumindest die Planungen, werden die Einsätze für Hagenower nach und nach auslaufen. Als Ergebnis wird der Verband, der offiziell 1150 Soldaten zählt, im kommenden Frühjahr zum ersten Mal wieder geschlossen beisammen sein. Felten: "Dann werden wir in unser ,normales Geschäft als Panzergrenadiere einsteigen und mit unserer normalen Ausbildung beginnen. Ziel wird es sein, im Mai/Juni 2011 im Gefechtsübungszentrum geschlossen als Bataillon üben zu können", freut sich Felten schon jetzt darauf, einmal alle seine Leute zusammen zu haben.

Doch schon 2012 soll es wieder weiter gehen mit den Einsätzen im Ausland, auf die sich die Soldaten wieder besonders vorbereiten müssen. Für die Partnerstadt Hagenow bedeuten die Planungen, dass es im kommenden Jahr am 10. September wieder einen Tag der offenen Tür beim Bataillon geben wird. Eine Veranstaltung, zu der traditionell Hunderte Besucher aus der ganzen Region kommen. Es sei denn, die Politik wirft die Einsatzplanung der Soldaten wieder über den Haufen.