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Altstadt Anlieger empört über Baukosten

Von Timo Weber | 05.02.2010, 07:45 Uhr

Risse in den Häuserwänden und regelmäßige Lärmbelästigung: Die Bürgerinitiative Alexandrinenstraße kämpft seit Jahren um die Erneuerung der Straße.

Jetzt hat sie endlich Erfolg - und muss dafür teuer bezahlen. Im August will die Stadt mit dem Ausbau der Alexandrinenstraße beginnen. In zwei Bauabschnitten wird das bis ins Jahr 2011 andauern, denn auch die unterirdischen Abwasserleitungen und bei Bedarf die Hausanschlüsse werden erneuert. Es erfolgt zudem die Anbindung an das neu gebaute Regenrückhaltebecken am Nordufer des Pfaffenteiches. Dafür muss im Bereich zwischen der Straße Zum Bahnhof und der Knaudtstraße die Straße komplett aufgerissen werden.

Doch am Ende erhält die Alexandrinenstraße nicht die von den Anwohnern gewünschte, Lärm schluckende Schwarzdecke. "Das Landesamt für Denkmalpflege will den historischen Charakter des Pfaffenteichensembles erhalten und besteht deshalb auf einer Pflasterung der Straße", sagt Baudezernent Dr. Wolfram Friedersdorff. Die Stadtspitze hatte sich zuvor mit der Bürgerinitiative auf eine Asphaltdecke geeinigt. Doch die Einwilligung der Denkmalpflege in die Gesamtbaumaßnahme ist für die Stadt notwendig. Denn nur so kommt sie an die Fördermittel, die letztlich dafür sorgen sollen, das der Ausbau der Alexandrinenstraße die Stadtkasse nicht belastet.

Und genau das ist das Problem der Grundstückseigentümer in der Alexan drinenstraße. Denn die nun vorgesehene Erneuerung der Straße wird voraussichtlich knapp zwei Millionen Euro kosten. Nach der geltenden kommunalen Straßenausbaubeitragssatzung sind 840 000 Euro davon umlagefähig, sprich von den Grundstückseigentümern aufzubringen. Bei 33 Eignern sind das durchschnittlich 25 000 Euro. Die Höhe richtet sich nach der jeweiligen Grundstücksgröße und der Geschossigkeit der Bebauung. "Solche Summen sind selbst in München absolute Ausnahme. In der gegenüberliegenden August-Bebel-Straße mussten die Eigentümer für die Sanierung in Einzelfällen maximal 5000 Euro zahlen", berichtet Matthias Winkler, der ein Haus in der Alexandrinenstraße besitzt.

Gemeinsam mit weiteren Eigentümern und der Bürgerinitiative Alexan drinenstraße wurde deshalb am Donnerstagabend die "Interessengemeinschaft Alexandrinenstraße" im Hotel Niederländischer Hof aus der Taufe gehoben. "Unser Ziel ist es, gemeinsam mit der Landeshauptstadt Schwerin im In teresse der Schweriner Bürger und der Anlieger der Alexandrinenstraße einen optimalen, wirtschaftlichen und zukunftsweisenden Ausbau der Alexandrinenstraße konstruktiv zu begleiten", so Jörg Borufka, der Rechtsanwalt in der Kanzlei Wigu ist, die in der Alexandrinenstraße ein Haus besitzt.

Klarer Tenor des ersten gemeinsamen Treffens war, dass an der Straße etwas getan werden muss. Strittig ist die Ausführung. "Wir haben dem Landesamt für Denkmalpflege bereits geschrieben, dass wir eine finanzielle Beteiligung der Behörde an den Mehrkosten erwarten, die durch deren Entscheidung gegen die Asphaltierung und für Pflaster entstehen. Dazu gibt es aber keine positive Antwort", so Dr. Hans-Joachim Jencio von der Bürgerinitiative, die jetzt in die In teressengemeinschaft integriert wurde. Wie teuer die Sanierung mit anschließender Asphaltierung sein würde, hat bei der Stadt bislang niemand beziffert. Lediglich die Mehrkosten für das nun angestrebte geschnittene Pflaster nach dem Vorbild der Mecklenburg- und der Bebelstraße betragen laut Dr. Friedersdorff etwa 250 000 Euro mehr als die erneute Verlegung der Pflastersteine wie sie jetzt in der Straße sind. "Dafür erreichen wir aber einen Schallschutz von bis zu fünf Dezibel", sagt der Baudezernent. "Das entspricht einer gefühlten Halbierung des Lärms."

Ein weiterer offener Punkt der Interessengemeinschaft ist die Kostentrennung von Straßenausbau und Kanalerneuerung. Für letztere müssen die Anlieger pauschal 4,44 Euro pro Quadratmeter ihrer Grundstücksfläche zahlen. "Das würden bei uns beispielsweise zusätzlich zu den Anliegerbeiträgen, die die Stadt haben will, 3774 Euro sein", so Rechtsanwalt Borufka. Doch die Anlieger fragen: Wenn jedoch die kommunale SAE für den Kanalausbau ohnehin die Straße aufreißt und ohne den Straßenausbau auch wieder schließen würde, warum werden die Anlieger dann nicht nur für die Oberflächengestaltung zur Kasse gebeten?

Baudezernent Dr. Friedersdorff kündigte gegenüber unserer Redaktion an, mit den Eigentümern schnellstmöglich Gespräche führen zu wollen. "Wir wissen, dass es eine Riesen-Belastung für sie ist. Aber nicht das Pflaster, sondern die Gesamtmaßnahme verursacht die Kosten. Wir wollen gemeinsam mit den Anliegern alle Möglichkeiten durchgehen, um noch Einsparpotenziale zu finden", so der Baudezernent. Die Anlieger werden es gern hören. Denn es gibt noch eine andere Meinung in der Straße. Einige von ihnen stehen auf der Seite der Denkmalschützer: Ja zum historischen Straßenbild. Aber dafür den Durchgangsverkehr komplett aussperren.