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Schweriner Schätze Alltag ohne Strom und Heizung

Von Maren RamnkeHfer | 16.03.2018, 16:00 Uhr

Das Volkskundemuseum Mueß zeigt, wie Menschen in der Region früher lebten

Der Pariser Louvre oder das Guggenheim in New York gehören zu den bekanntesten Museen der Welt. Doch wer eindrucksvolle Sammlungen sehen möchte, wird auch in Schwerin fündig. Heute: das Volkskundemuseum in Mueß.

Egal ob Öfen, Betten, Trachten, Liederbücher, Bügeleisen oder Fahnen – wenn Gesine Kröhnert über ihre Museumsstücke spricht, gerät sie immer noch ins Schwärmen. Obwohl sie schon seit 30 Jahren im Schweriner Volkskundemuseum arbeitet und es seit dem Jahr 2000 leitet. Sie erzählt leidenschaftlich vom Leben ohne Strom, Heizung und Telefon. Sie erklärt, warum sich früher alle in der Küche trafen und die gute Stube kalt blieb. Sie weiß aber auch, was die erotischen Zeichnungen auf alten Hutschachteln zu bedeuten haben und kennt die Geheimnisse der Tierpräparation. Stolz zeigt Gesine Kröhnert auch die Prillwitzer Idole, eine „Jahrhundertfälschung“ aus dem 18. Jahrhundert, die heute dem Volkskundemuseum gehört. Und genauso gern präsentiert sie ein komplettes sowjetisches Militärmuseum, das die abziehenden Truppen Anfang der 90er-Jahre in Schwerin ließen.

Etwa 50 000 Objekte – vom Kochlöffel bis zum Sägegatter – gehören dem Volkskundemuseum, schätzt Gesine Kröhnert. Unzählige Bücher, Dokumente und Fotos kommen hinzu. Nur etwa fünf Prozent dieser Sammlung wird in Dauer- oder Sonderausstellungen gezeigt, das meiste lagert in Depots, zum Beispiel in der Galilei- oder der Lortzingstraße.

Gesine Kröhnerts Büro liegt im ersten Stock eines historischen Hauses mitten im Museumsensemble, ein erstklassig erhaltenes Domanialdorf, das deutschland- und wohl auch weltweit seinesgleichen sucht, wie die Volkskundler betonen. 1970 wurde es eröffnet, heute sind hier Bauernhaus, Hirtenkaten, Büdnerei, Häuslerei, Schule, Scheunen, eine Schmiede, Wiesen und Gärten zu bestaunen. Dauerausstellungen gibt es zum bäuerlichen Leben, zum Schulalltag, zur Seidenraupenzucht, zur Binnenfischerei und zur Imkerei. Etwa 24 000 Besucher kommen pro Jahr, einfach zum Bummeln oder zu einer der zahlreichen Aktionen. „Mir ist es wichtig, das Museum mit Leben zu erfüllen“, sagt Gesine Kröhnert. So lockt im Frühjahr ein Pflanzenmarkt, im September kommen Folk-Musiker aus ganz Europa zum Windros-Festival, kurz vor Weihnachten gibt es Kunsthandwerkliches bei den „Wintersonnenwerken“. Die Fritz-Reuter-Bühne präsentiert Gastspiele auf Plattdeutsch, das Zentrum für traditionelle Musik lädt zum Mitsingen, die Darstellergemeinschaft „Mueß um 1900“ zeigt in Originalkostümen originalen Alltag, ein Schmied schwingt regelmäßig den Hammer und Margrit Wischnewski zeigt das ganze Jahr über Puppenspiel in der Theaterscheune.