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Schweriner Pilger in Haft berichtet Allein unter Islamisten

Von Maren RamnkeHfer | 25.03.2018, 20:00 Uhr

David Britsch erzählt bewegend von seiner Pilgerreise und der Abschiebehaft

Dass er existenzielle Grenzerfahrungen machen würde, sein Leben in Gefahr geraten könnte, das hatte David Britsch „billigend in Kauf genommen“, als er seine Pilgertour plante: Zu Fuß von Schwerin über den Balkan, die Türkei und Syrien nach Jerusalem. Im Winter, ohne Geld, nur mit einem Rucksack und einem Handy zum Navigieren. Im November 2016 startete er, wollte Ostern in der Heiligen Stadt sein. Doch an der syrischen Grenze wurde er von der türkischen Polizei in Abschiebehaft genommen. Für acht Monate.

Die existenziellen Grenzerfahrungen machte er hier. Eingesperrt als christlicher Pilger mit Islamisten, die für ihren Glauben auf den Schlachtfeldern Syriens kämpfen wollten. In einem babylonischen Sprachgewirr und ohne eine Ahnung, wann er freikommt. Natürlich habe er Angst gehabt, erzählt der 55-Jährige im voll besetzten Saal des Schleswig-Holstein-Hauses. Aber die Mitgefangenen hätten Respekt gehabt vor dem Mann, der für seinen Glauben einen so beschwerlichen Weg auf sich nimmt. David Britsch lernte in einem türkischen Gefängnis den Islam kennen wie kaum ein anderer. Wenn der Schweriner lächelnd von seinen Erlebnissen berichtet, dann wird es still im Raum. Er erzählt von Fremden, die ihm Essen und Unterkunft gaben, in Pfarrhäusern, Herbergen oder auf Schweinefarmen. Und er erzählt von einem Wissenschaftler aus Istanbul, der bereit wäre, ein Selbstmordattentat zu begehen. Er traf auf Menschen, die sicher sind, dass die eigentliche Welt jenseits der Materie liegt, mit Engeln, Dschinns, Paradies und Hölle. „Es war sehr bewegend, eindrucksvoll und bemerkenswert“, sagt Britsch. Kurz vor Weihnachten wurde der Schweriner aus der Haft entlassen, sei inzwischen wieder in den Alltag zurückgeworfen. Jerusalem bleibt sein großes Ziel: „Vielleicht pilgere ich mit dem Rad bis nach Italien und nehme dann ein Schiff nach Israel.“