Klub steht wegen Behördenauflagen kurz vor dem Aus : Schwerin: Verwirrspiel ums "Nachtamt"

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Es sollte die Schweriner Partyszene beleben, ein cooler Treffpunkt für junge Leute mitten in der Stadt. Jetzt steht das Nachtamt vor dem Aus. Die Betreiber des Clubs fühlen sich gefangen im Verwaltungsdschungel.

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09. Dezember 2010, 07:49 Uhr

Altstadt | Es sollte die Schweriner Partyszene beleben, ein cooler Treffpunkt für junge Leute mitten in der Stadt, Disko am Freitagabend, Workshops, Seminare, Lesungen an anderen Tagen - jetzt steht das Nachtamt in der Geschwister-Scholl-Straße kurz vor dem Aus. Beschwerden über Ruhestörung und Parkchaos, neue baurechtliche Auflagen, mehrere Monate Zwangspause, Schwierigkeiten mit der gastronomischen Konzession und schließlich eine Nutzungsuntersagung durch die Stadtverwaltung im November - die Betreiber fühlen sich gefangen im Verwaltungsdschungel. "Man spielt mit uns Ping Pong", sagte Manuel Swars am Mittwochabend auf der Sitzung des Ortsbeirates Altstadt, Feldstadt, Paulsstadt, Lewenberg. "Wenn wir der einen Forderung nachkommen, wird kurze Zeit später wieder etwas anderes verlangt. Erfüllen wir die Bauauflagen, gibt es anschließend Probleme mit der Konzession, mit dem Betreiberkonzept oder mit den Autos vor der Tür. Dabei haben wir aber keinen klaren Ansprechpartner in der Stadtverwaltung, werden immer wieder vertröstet." So gehe das Weihnachtsgeschäft flöten, das Geld werde knapp. Die WGS sei allerdings immer ein sehr fairer und kulanter Vermieter gewesen. "Natürlich haben wir auch Fehler gemacht, das geben wir zu", sagt Swars. Viele seiner Schweriner Mitstreiter vom Anfang hätten schon die Segel gestrichen und seien heute in Hamburg oder Berlin. "Aber insgesamt sieht es für uns aus, als solle das Verfahren so lange hinausgezogen werden, bis die WGS uns hier kündigen muss."

Der Ortsbeirat beschäftigt sich seit knapp einem Jahr mit der Problematik. Bereits im Juni brachte er einen Antrag in die Stadtvertretung ein, in dem er die Verwaltung aufforderte, den Betreibern bei der Erfüllung ihrer Auflagen besser zu helfen. Keine Reaktion. Im November bat Michael Strähnz die Verwaltung schließlich um einen Sachstandsbericht zum mittlerweile sehr vielschichtigen Problem. Das sei nicht üblich, musste er erfahren. Für Mittwochabend schließlich waren Vertreter der Verwaltung zur Ortsbeiratssitzung eingeladen, um Licht ins Dunkel um das Nachtamt zu bringen. Niemand kam. "Das empfinde ich als grobe Missachtung des Ortsbeirates", sagte Michael Strähnz. Und auch die anderen Mitglieder des Gremiums hätten auf ihre viele Fragen gerne Antworten bekommen. Stattdessen blieb Kopfschütteln, Schulterzucken und Unverständnis. Schließlich habe die Stadt das ehemalige Haus der Jugend für viel Geld saniert und lange einen geeigneten Betreiber gesucht. Am Montag steht das "Nachtamt" erneut auf der Tagesordnung der Stadtvertretung, nun schon zum dritten Mal.

Die kurze Geschichte des Nachtamtes ist voller Höhen und Tiefen: Zwei Jahre nachdem das "Thalia" seinen Betrieb aufgegeben hatte, macht das "Nachtamt" an gleicher Stelle auf, und zwar am 19. Dezember 2008. Die Jugendlichen mochten den Klub, die angestrebte Zahl von 300 Gäste pro Abend wurde schnell übertroffen. Am 13. Juli allerdings schloss das Nachtamt schon wieder, weil sich der Verein fälschlicherweise auf alte Baugenehmigungen und Konzessionen stützte und es Beschwerden wegen Ruhestörung gegeben hatte. Im September 2009 startete der Klub mit verändertem Konzept wieder durch, bis am 12. Dezember 2009 eine Veranstaltung durch die Polizei abgebrochen wurde. "Wegen nicht erfüllter Auflagen wurde die Tür dann sogar versiegelt", erinnerte sich Bernd Biernat. Nach mehreren Gutachten und weiteren Veränderungen gab es im Sommer die ersehnte Baugenehmigung - mit der Auflage, binnen drei Monaten ein neues Lärmgutachten mit Außen-Messung einzureichen. Eine kurze Frist, die die Nachtamt-Betreiber verpassten. "So ein Gutachten kostet rund 2000 Euro und war nach Experten auskunft nach der Neueinrichtung der Musikanlage nicht nötig", dachten sich Swars und Biernat.

Gastronom Alfredo aus dem Schleswig-Holstein-Haus, der im September den Ausschank im Nachtamt übernahm, erhielt obendrein bis heute noch nicht die nötige Konzession. Konsequenz: Ende November wurde das Nachtamt wieder geschlossen - von Amts wegen.

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