Wessin : Windkraft: Bürger unter Strom

Zahlreiche Bürger nutzten die Gelegenheit auf der Einwohnerversammlung, gegen den geplanten Windpark bei Wessin zu unterschreiben.
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Zahlreiche Bürger nutzten die Gelegenheit auf der Einwohnerversammlung, gegen den geplanten Windpark bei Wessin zu unterschreiben.

Einwohnerversammlung der Kommunen Crivitz, Barnin, Zapel und Friedrichsruhe zum geplanten Windpark in der Wessiner Mordkuhle

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26. Januar 2019, 05:00 Uhr

Den Einwohnern von gleich vier Gemeinden im Amt Crivitz reicht es. „Genug ist genug“, sagte die Crivitzer Bürgermeisterin Britta Brusch-Gamm auf der Einwohnerversammlung am Freitagabend im Kulturhaus Wessin. Ein Investor will 16 Windräder in der Wessiner Mordkuhle aufstellen. Die geplanten Windkraftanlagen sollen mit Rotorblättern 230 Meter hoch in die Landschaft ragen. Die dafür vorgesehenen 176 Hektar liegen auf den Gemarkungen von Zapel, Barnin und Crivitz – Wessin ist ein Ortsteil der Kleinstadt. Die Gemeinde Friedrichsruhe mit ihren zahlreichen Windrädern grenzt direkt daran.

Alle vier Gemeinden wurden vom Investor um ihr gemeindliches Einvernehmen gebeten. Und das, bevor das Beteiligungsverfahren zum zweiten Entwurf des Regionalen Planungsverbandes (RPV) Westmecklenburg über die Ausweisung von 6038 Hektar Windeignungsgebieten am 5. Februar beginnt. Die Mordkuhle ist eines der als geeignet angesehenen Gebiete. Alle vier Gemeindevertretungen haben ihr Einvernehmen bereits versagt – aus naturschutzrechtlichen Gründen. Doch die Bürgermeister wollten wissen, wie ihre Bürger über den geplanten Windpark denken und luden sie deshalb am Freitagabend zu der Versammlung. Der Einladung waren etwa 130 Bürger gefolgt, viele von ihnen mussten stehen, weil die Stühle nicht ausreichten.

Die Veranstaltung diente nicht nur der Frage nach dem Begehren der Bürger und der Verteilung von Unterschriftenlisten. Die Bürgermeister auf dem Podium, auf dem auch Heiko Böhringer vom Aktionsbündnis „Freier Horizont“ als Gast saß, wollten zudem darüber informieren, was die Anwohner mit dem Bau des Windparks erwartet und wie sie sich dagegen wehren können. Die Gemeinden dürfen das gemeindliche Einvernehmen nur ablehnen, wenn öffentliche Belange dagegen sprechen. Das sei nach dem jetzigen Erkenntnisstand in Wessin nicht der Fall, hatte Karl Schmude Geschäftsführer des RPV , im November erklärt.

Britta Brusch-Gamm musste den Anwesenden mitteilen, ein naturschutzrechtliches Gutachten, das die Stadt in Auftrag gegeben hatte, habe kein Ergebnis erbracht, welches sich gegen den geplanten Windpark einsetzen ließe. Zapels Bürgermeister Hans Werner Wandschneider erntete viel Beifall mit seinem Statement: „Es kann nicht sein, dass nur die Tiere eine Rolle spielen. Auch die Gesundheit der Bürger darf nicht beeinträchtigt werden.“ Doch das werde nicht als „abwägungsrelevanter Einwand“ gewertet.

Der Verein „Netze e.V.“ überraschte die Versammelten mit einem Knüller: „Wir haben in den vergangenen fünf Jahren die Wessiner Mordkuhle in Zusammenarbeit mit dem Nabu dokumentiert“, sagte Hardy Ulrich. „Wir können beweisen, dass es hier 75 Horste von Großvögeln gibt, dass in der Vergangenheit Horste zerstört wurden und dass hier der Rotmilan siedelt.“ Vorstandsmitglied Dieter Schönrock ergänzte: „Wenn unsere Dokumentation nicht berücksichtigt wird, klagen wir.“ Nicht nur Heiko Böhringer apellierte: „Äußert Eure Bedenken im Beteiligungsverfahren!“

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