Klütz : Sommersaison auf Schloss Bothmer

Die Schlossanlage von vorn. Auf dem Giebel am Eingang steht: „Considerans in finem - Bedenke das Ende“.
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Die Schlossanlage von vorn. Auf dem Giebel am Eingang steht: „Considerans in finem - Bedenke das Ende“.

Ab heute hat das begehrte Ausflugsziel mit 45 000 Besuchern im Jahr 2018 auch wieder in der Woche geöffnet.

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02. April 2019, 12:00 Uhr

Es geht mit dem Auto über rumplige Landstraßen, dann ein Ortsschild und ein großer Parkplatz. Von da aus einige Meter zu Fuß, eine scharfe Linkskurve und ... ein völlig unvermuteter Anblick. Eine riesige erdrote Schlossanlage liegt da in der Sonne, umrahmt von grünen Rasenflächen. Von links läuft eine nahezu perfekte Allee aus geköpften Linden darauf zu. Schloss Bothmer, die größte barocke Schlossanlage Mecklenburg-Vorpommerns, ist auf jeden Fall einen Ausflug wert. Das fanden im vergangenen Jahr auch die 45 000 Besucher, die sich „das Stück England in Mecklenburg“ ansehen wollten. Von heute an geht das auch wieder an den Wochentagen, dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr, ab Mai noch eine Stunde länger. Im Winter war nur an den Wochenenden geöffnet. „Nur donnerstags um 12 Uhr hatten wir jeweils eine Führung“, erzählt Nadine Schmidt, die nicht nur für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, sondern auch für Marketing und Museumspädagogik zuständig ist. „Die war aber so proppenvoll, dass wir manchmal sogar zwei Führungen machen mussten.“ Kulturhistorisch Interessierte seien vor allem Urlauber aus dem nahe gelegenen Ostseebad Boltenhagen, aber zunehmend auch Einheimische.

Auffällig ist im Schloss, dass alle Räume ohne Möbel sind. Erbauer Hans Caspar Graf von Bothmer – der sein von 1726 bis 1732 erbautes Schloss nie gesehen hat – war Diplomat in London und bereitete dort die Übernahme des englischen Thrones durch die aus Hannover stammenden Welfen vor. Als „Königsmacher“ wurde er daher erster Berater von Georg I., der kaum englisch sprechen konnte. Hans Caspar, der selbst nur eine Tochter hatte, bestimmte für sein Erbe das Erstgeborenen-Prinzip. Immer nur der älteste männliche Spross der Familie durfte das Schloss erben. Wenn es in der direkten Familienlinie keinen männlichen Erben gab, musste die Familie das Schloss verlassen und es Onkel oder Neffen übergeben. „Deshalb gab es häufige Besitzerwechsel auf Bothmer“, erzählt Nadine Schmidt. „Und jede Familie, die ging, nahm ihre Möbel mit. Die neuen fanden das Schloss immer leer vor. Es gab kein Inventar.“ Deshalb entschlossen sich die Museologen, gar keine Möbel auszustellen.

In London lebte Hans Caspar von Bothmer übrigens in der legendären „10 Downing Street“. Durch die vorausschauende Erbverfügung nach seinem Lebensmotto: „Bedenke das Ende“ fließt heute in jeder der europäischen Königsfamilien bis auf einer sein Blut.

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