Thema der Woche: Einkaufen auf dem Land : Rastows Laden brummt

Mittwoch ist Waren-Tag im Nahkauf in Rastow. Dann wird es eng in den Gängen des Supermarktes. Etwa drei Stunden brauchen Rilana Trapp und ihre Kolleginnen, um die Produkte aus 23 Paletten-Wagen in die Regale einzusortieren.
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Mittwoch ist Waren-Tag im Nahkauf in Rastow. Dann wird es eng in den Gängen des Supermarktes. Etwa drei Stunden brauchen Rilana Trapp und ihre Kolleginnen, um die Produkte aus 23 Paletten-Wagen in die Regale einzusortieren.

Den Einkaufsmarkt in der Bahnhofstraße steuern nicht nur Einheimische an, sondern auch die Einwohner der Nachbargemeinden

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06. März 2019, 20:00 Uhr

Zu DDR-Zeiten gab es ihn noch überall, heute gehört er zu einer fast ausgestorbenen Art: der Dorfladen. Ohne ihn haben es Menschen, die kein Auto besitzen, auf dem Land schwer, sich mit Lebensmitteln zu versorgen. Gerade Ältere, die vielleicht noch sehr gut allein leben können, aber ihr Auto verkauft haben, weil sie sich nicht mehr sicher beim Fahren fühlen. Wir gehen in dieser Woche der Frage nach, welche Einkaufsmöglichkeiten es in den Dörfern des Schweriner Umlands gibt.

Mittwochs ist Waren-Tag in Rastow. Meistens steht der Lastwagen schon auf dem Hof, wenn die Verkäuferinnen morgens um 7 Uhr zur Arbeit kommen. Aber gestern warteten sie vergeblich auf die Lieferung. „Der Fahrer verspätet sich“, sagt Rilana Trapp. „Wir werden wohl erst mittags die Regale auffüllen können.“ Es ist kurz nach 10 Uhr. Der Parkplatz vor dem Nahkauf-Markt in der Bahnhofstraße ist gut gefüllt. Drinnen an der Kasse stehen die Menschen Schlange. Unter ihnen ist Peter Grützmacher. „Ich brauche heute nicht so viel“, sagt er. „Nur ein bisschen Proviant für die Reise. Wir fahren nämlich weg.“ Für den Rastower ist der Markt im Dorf die erste Wahl. „Wir bekommen hier alles, was wir benötigen“, sagt er. „Hoffen wir mal, dass der Laden noch lange bleibt und nicht zumacht wie die Bank nebenan.“ Für Bankgeschäfte müssen sich die Rastower heute ins Auto setzen, so Grützmacher. „Die nächste Filiale ist in Plate. Das können die Älteren schon oft gar nicht mehr alleine bewältigen.“ Jutta Rexin aus Lübesse kann ihm da nur zustimmen. Auch sie ist auf Hilfe angewiesen, wenn sie einkaufen will. Gestern war es die Schwiegertochter, die sie im Auto nach Rastow zum Supermarkt mitgenommen hatte. „Ich wünschte, wir hätten in Lübesse auch so einen Laden“, sagt Jutta Rexin.

Seit fast 25 Jahren gibt es einen Einkaufsmarkt in Rastows Bahnhofstraße. Rilana Trapp aus Goldenstädt gehört erst seit zwei Jahren zum Team. Davor hatte sie im Supermarkt im Schweriner Schlossparkcenter gearbeitet. „Hier in Rastow ist man dichter am Kunden. Es ist nicht so anonym. Man kennt sich, man grüßt sich, kommt ins Gespräch.“ Zweimal in der Woche holt sich der Schulhort im Laden Brot, Pudding, Joghurt oder Obst für die Versorgung der Schüler. Der Kindergarten bestellt beim Nahversorger fast alles – von den Wasserflaschen bis zum Reinigungsmittel. Und auch das örtliche Pflegeheim meldet sich in der Filiale, zum Beispiel wenn Präsentkörbe für Geburtstage gebraucht werden. „Der Markt im Dorf ist eine feine Sache“, sagt Kunde Erwin Leistikow. Der 78-Jährige wohnt nur zwei Häuser entfernt und erreicht den Laden gut zu Fuß. Da sei es auch kein Problem, wenn man mal etwas vergesse. Im Schnitt kaufen etwa 500 Kunden täglich im Markt ein. Sandra Roos, die Jüngste im Team, kennt viele der Kunden persönlich mit Namen. „Ich wohne im Dorf, fahre nur fünf Minuten mit dem Rad zur Arbeit“, so die 22-Jährige. „In Schwerin würde ich vielleicht mehr verdienen. Dafür bleibt mir hier die tägliche Fahrerei erspart“, sagt sie. Dann ruft die Kollegin. „Der Fahrer mit der Ware ist da.“ Jetzt wird ausgepackt.

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