Göhren : Nur ein Kiosk fehlt zum Badeglück

Sie verlassen das Wasser nur, um zu trinken und auf die Uhr zu gucken: Tia (li.) und Frieda
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Sie verlassen das Wasser nur, um zu trinken und auf die Uhr zu gucken: Tia (li.) und Frieda

Der Settiner See ist auch bei Schwerinern und Crivitzern beliebt. Wer zur Badestelle will, muss die Schleichwege kennen.

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27. Juni 2019, 17:34 Uhr

Das Thermometer nähert sich der 40-Grad-Marke, einzige Abkühlung versprechen die Badeseen im Schweriner Umland. Wir stellen in dieser Woche jeden Tag eine der beliebtesten Badestellen in der Region vor.

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Rechts oder links? „Links“, entscheidet Tia. „Auf der linken Seite vom Steg ist das Wasser nicht so tief. Da kann man noch stehen, wenn man nicht mehr schwimmen will.“ Die Zwölfjährige nimmt Anlauf. Mit ihrer Freundin Frieda läuft sie durchs Wasser hinaus zum Steg. Als der See tief genug ist, lassen sich beide kreischend fallen. Schon eine Stunde sind die zwei Freundinnen hier. Bei der Lufttemperatur von 34 Grad verlassen sie das Wasser praktisch nie. „Wir kommen nur raus, um etwas zu trinken oder auf die Uhr zu gucken“, sagt Frieda. Frieda wohnt in Crivitz. „Eigentlich gehe ich immer in den Barniner See baden“, erzählt sie. „Aber hier gefällt es mir fast noch besser.“ Dreißig Minuten sind Tia und Frieda aus Göhren zur Badestelle gelaufen. „War nicht weiter wild“, sagt Tia. „Wir laufen ja im Schatten. Außerdem ist der Weg durch den Wald sehr schön.“

Wer mit dem Auto kommt, muss sich auskennen. Kein Wegweiser führt zur Badestelle. Über unbefestigte Wege landet man schließlich auf einem wilden Parkplatz vor einer rot-weißen Schranke. Von hier aus sind es zu Fuß fünf Minuten, bis man durch die Bäume das Wasser schimmern sieht. „Herrlich ist es hier“, sagt Jürgen Granzow. Er sitzt auf einer Bank im Schatten, genießt den Seeblick. Jeden Tag spaziert er zur Badestelle. Nicht zum Baden. „Das Laufen hält mich schon fit genug.“ Der 66-Jährige hat hier als Kind schwimmen gelernt. Früher war hier noch viel mehr los, erinnert sich der Göhrener. „Es gab einen Kiosk, einen Bootsverleih, einen Sprungturm, eine Wasserrutsche, Umkleidekabinen und sogar einen Rettungsschwimmer, der oben vom Turm alles im Blick hatte.“ Sein Vater habe den Steg in den 50er Jahren mitgebaut. „Seitdem ist er bestimmt schon drei Mal erneuert worden.“ Der alte Rettungsturm ist heute bewohnt. Dort, wo früher die Umkleidekabinen waren, steht heute eine große Info-Tafel an einem Findling zum Settiner See. „Der Flachwasser-See ist an seiner tiefsten Stelle gerade mal fünf Meter tief. Die Badewasserqualität ist naturtrüb, aber gut“, steht auf dem Schild. Das trübe Wasser stört Tia und Frieda nicht. „So lange keine Algen im See sind, ist alles okay“, sagt Frieda. Sie wünscht sich „so eine tolle Badestelle“ auch bei sich zuhause in Crivitz. „Aber wir dürfen in Crivitz ja nicht baden, weil der See so vermodert ist. Das ist eigentlich eine Schande.“ An der Badestelle am Settiner See haben die zwei nichts auszusetzen. Dann fällt Tia doch noch was ein: „Ein Raum zum Umziehen wäre gut. Und ein Kiosk, wo wir Eis kaufen können. Wenigstens in den Sommerferien.“

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