Crivitz : Nun beginnt das Leben ohne Marke

Tritt mit 60 Jahren aus dem Polizeidienst aus: Bringfried Petschow blickt auf ein bewegtes Dienstleben zurück und freut sich auf viel Zeit mit seinem fünf Monate alten Enkelsohn.
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Tritt mit 60 Jahren aus dem Polizeidienst aus: Bringfried Petschow blickt auf ein bewegtes Dienstleben zurück und freut sich auf viel Zeit mit seinem fünf Monate alten Enkelsohn.

Polizeihauptmeister Bringfried Petschow geht in den Ruhestand: Zwei Erlebnisse während seines Lebens in Uniform haben ihn verändert

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24. September 2018, 12:00 Uhr

Es waren wilde Zeiten, damals Anfang der 1990er. Als jeder freie Bürger in einem Freien Land sein wollte. Gefährlich? Ja. „Bis zu zehn Verfolgungsjagden während einer Nachtschicht waren nicht ungewöhnlich“, sagt Bringfried Petschow. Es war aber auch genau die Zeit, in der sich der heute 60-Jährige am meisten als Polizist fühlte.

Den Bösen hinterherjagen, dort für Ordnung sorgen, wo ohne Polizei die Ordnung zusammenbrach: „Wir erwischten mal zwei junge Männer, die klauten einen Ford Escort nach dem anderen. Nur um diese dann gegen einen Baum zu fahren. Die Geschwindigkeit und die Schäden notierten sie sich akribisch“, erinnert sich der Polizeihauptmeister Petschow. Es waren aber auch die Zeiten, in denen er spät nach Hause zu seiner Frau und den beiden Kindern kam. Erst spät, als er in das Sternberger Revier verlegt wurde und durch den Schichtdienst regelmäßige Arbeitszeiten hatte, erkannte er, was er in den vielen Nächten auf Streife und mit dem „Einsatzzug zur besonderen Lage“ – einer Spezialeinheit stationiert in Schwerin – verpasst hatte: die Kindheit seiner Kinder.

Heute freut er sich auf die Zeit mit seinem Enkel, der gerade mal fünf Monate alt ist. „Die Zeit, die ich für meine Kinder nicht hatte, möchte ich meinen Enkeln schenken“, sagt der glückliche Vater und Opa. Dass er in wenigen Tagen den Ruhestand genießen kann, ist nicht selbstverständlich. Neben den gefährlichen Einsätzen, bei denen er auch zweimal seine Dienstwaffe aus Notwehr abfeuern musste, strebte Bringfried früh eine Karriere an. In den letzten Jahren der DDR arbeitete er sich mit gerade einmal 31 Jahren zum Stabschef hoch. Nach der Wende musste er wieder weiter unten anfangen. „Ich dachte immer, der Stress gehöre dazu“, sagt Petschow.

Bis zum Januar 2014... Zu Beginn seiner Tagesschicht in Sternberg bricht er noch in der Umkleidekabine zusammen. Ein Kollege erkennt die Gefahr und reagiert sofort. Schlaganfall mit 56 Jahren. Noch im Krankenhaus erkennt er, dass es das nicht wert ist. Bringfried Petschow hört mit dem Rauchen auf und lernt während der Reha, wie er den Stress abblockt. Auch einen zweiten Tiefschlag steckt er weg, als nach einer zweiten Untersuchung klar wird, dass er einen Herzschrittmacher braucht. All das macht den Wariner zu dem zufriedenen Menschen, der er heute ist. Er strahlt Ruhe aus. Der Polizist mit dem seltenen Vornamen, seine Mutter benannte ihn nach dem Fußballspieler
Bringfried Lothar Müller, der seit 1956 für den SC Karl-Marx-Stadt in der DDR-Oberliga spielte. Der Polizeihauptmeister spielt selbst keinen Fußball. Nach seinem letzten Dienst will er mit seinen Kollegen feiern. „Ganz ungezwungen“, sagt er.

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