Uelitz : Kaffee, Kuchen und ein Küsschen

Ein Küsschen zum Jubiläum für den verdutzten „Bahnwärter Karl“: Renate Fölsch, ehemalige Präsidentin der Reichsbahndirektion, war zu Gast und herzte Siegfried Kuntsche.
Ein Küsschen zum Jubiläum für den verdutzten „Bahnwärter Karl“: Renate Fölsch, ehemalige Präsidentin der Reichsbahndirektion, war zu Gast und herzte Siegfried Kuntsche.

Herta und Siegfried Kuntsche luden am „Posten 13“ zu einem vergnüglichen Eisenbahn-Event

svz.de von
03. Juli 2018, 12:00 Uhr

Zu den Vorzügen eines Lokführers gehört es, dass er bei seinen Fahrten einen weiten Blick in die Landschaft hat und manches entdecken kann. So ging es auch dem Schweriner Haupt-Lokomotivführer Peter Falow Mitte der 70er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Er wusste, dass sein Freund, der Agrarhistoriker und Archivar Prof. Dr. Siegfried Kuntsche, für sich, seine Frau Herta und seine beiden Töchter, ein Häuschen im Grünen suchte. Da bemerkte er beim Vorbeifahren, dass der ehemalige „Posten 13“ nahe Uelitz frei war und sagte Kuntsches Bescheid. Nicht ganz uneigennützig, denn er suchte damals selbst nach einer Unterstellmöglichkeit für seinen Wohnwagen der Marke QEK Junior.

Aus der ehemaligen Arbeitsstätte des Schrankenwärters an der Strecke Ludwiglust-Holthusen-Schwerin wurde ein Refugium für den Wissenschaftler und seine Familie. Seit 1976 wohnen sie jetzt schon dort und haben sich das frühere Wohnhaus des Schrankenwärters und die nebenstehende Bude über die Jahre nicht zuletzt mit Hilfe von Geldern aus der Dorferneuerung und für den Denkmalschutz zu einem schmucken Zuhause ausgebaut, das dank seiner heutigen Bewohner noch immer von der einstigen Eisenbahnvergangenheit kündet – und längst zu einer Art kulturellem Zentrum in der Gemeinde Uelitz geworden ist, die ihr 800-jähriges Jubiläum feiern kann. Man trifft sich gern am „Posten 13“. Und aus Prof. Kuntsche ist 2007 nach dem Ablegen einer gestrengen Prüfung der „Schrankenwärter Karl“ geworden – mit Zertifikat und historischer Uniform mit geflochtenen Schulterstücken. Eine Rolle, die ihm sehr gefällt.

Die Eisenbahnstrecke Ludwigslust-Holthusen-Schwerin wurde 1889 eingeweiht, verkürzte die bisherige Anbindung Mecklenburgs nach Süden gegenüber der Strecke über Hagenow um 13 Kilometer. Und seitdem gab es dort auch einen Schrankenwärterposten, zunächst eine Bude mit Läutewerk für die Technik, 1907 kam das Bahnwärterwohnhaus dazu. Grund genug für die Kuntsches, am vergangenen Sonnabend zu einem vergnüglichen „Eisenbahn-Event“ mit Kaffee, Kuchen und Eisenbahnliedern in die „Bude 13“ einzuladen.

Bei schönstem Sommerwetter nahmen viele Besucher diese Einladung gern an, darunter auch einige bekannte Gesichter. Peter Falow war dabei, der sich in der Gala-Uniform eines Generalinspekteurs der Großherzoglichen Eisenbahnverwaltung zeigte. Seine Frau Hannelore Falow war so angezogen wie damals, als sie als Zugbegleiterin des allerersten Städteexpress „Petermännchen“ Anfang Dezember 1976 von Schwerin nach Berlin-Lichtenberg fuhr. Auch Renate Fölsch, von 1982 bis 1990 Präsidentin der Reichsbahndirektion Schwerin und damit zu DDR-Zeiten die einzige Frau in dieser hohen Funktion, war ebenfalls unter den Gästen. Ausdrücklich bedankte sie sich für die Einladung zu diesem Event und lobte das Engagement der Organisatoren: Der „Posten 13“ sei so ein typischer Vertreter von Schrankenposten, wo früher viele fleißige Schrankenwärter an der Strecke gewohnt und gearbeitet, Viehzeug, Dienstacker und Garten hatten. Und die Eisenbahn habe viel für das Leben in Mecklenburg bewegt. Als Gastgeschenk hatte Renate Fölsch Siegfried Kuntsche eine garantiert alkoholfreie „Biomischung“ zum zweiten Frühstück mitgebracht und gab dem ziemlich verdutzten „Bahnwärter Karl“ schließlich sogar noch ein Küsschen.

So passte das Eisenbahnevent wunderbar zu den Feierlichkeiten aufgrund des 800-jährigen Bestehens von Uelitz.

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