Banzkow : Geschichten, über die niemand gerne spricht

Peter Elsholt freut sich auf Besucher in seinem Museum.
Peter Elsholt freut sich auf Besucher in seinem Museum.

Consrader kramt in der Erinnerungstruhe: Banzkower spricht über die dunklen Seiten der Nachkriegsjahre vor der eigenen Haustür

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27. Juni 2019, 12:00 Uhr

Bei Gesprächen mit älteren Bürgern unserer Gemeinde erfahre ich oft Geschichten, die so mancher fast verdrängt hat. Ja, eigentlich vergessen wollte – all das, was 1945 am Ende des Zweiten Weltkrieges auch in unseren Orten noch an furchtbaren Verbrechen begangen wurde. So erfuhr ich von einem Banzkower Bürger, Jahrgang 1935, der seinen Namen nicht in der Zeitung sehen möchte, folgende Geschichte: Als die Rote Armee die KZ-Häftlinge des Todesmarsches zwischen Crivitz und Schwerin befreiten, suchten und fanden viele dieser armen ausgemergelten und fast verhungerten Menschen Unterschlupf und Hilfe in den umliegenden Dörfern.

Obgleich jeden Tag Flüchtlingstrecks in Richtung Westen auch durch Banzkow zogen und nach etwas Essbarem fragten, konnte nicht immer geholfen werden. Denn viele Einheimische hatten doch selber kaum noch Vorräte. So manch einer teilte aber dennoch das Wenige mit den KZ-Häftlingen, die dafür in der Landwirtschaft und auf den Höfen halfen.

Aber auch Angehörige der SS, die den Todesmarsch begleiteten und aus Angst vor den Soldaten der Roten Armee versuchten, sich Zivilkleidung zu besorgen, trieben sich noch vereinzelt in den Dörfern rum.

Im Mai 1945 hielt eine schwarze Limousine in Banzkow, dort wo heute das Trend-Hotel steht und damals eine Kiesgrube war. Im Fahrzeug saßen vier oder fünf Personen, alle noch in SS -Uniform. Einige in der Kiesgrube arbeitende frühere KZ-Insassen traten an das Auto heran und wollten es wahrscheinlich an der Weiterfahrt hindern. Da stieg einer der Männer – der Uniform nach ein Offizier – aus, zog eine Pistole und erschoss einen der ehemaligen KZ-Häftlinge. Dann stieg er wieder ein und das Auto fuhr mit hoher Geschwindigkeit Richtung Westen. Mein Erzähler, damals ein Junge von zehn Jahren, wohnte direkt neben dem Tatort und sah alles mit an. Die Kameraden des Getöteten begruben ihn in der Kiesgrube. Dann wuchs Gras über die Sache. Erst 1950 wurden die Knochen exhumiert und auf dem Banzkower Friedhof als unbekannter Toter beigesetzt.

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