Runow : Der Mann und die schweren Bilder

In der Werkstatt des Stahl-Künstlers: Diesen Satz von John Lennon mag Heiko Voss besonders gern und hat ihn auf Metall gebrannt.
In der Werkstatt des Stahl-Künstlers: Diesen Satz von John Lennon mag Heiko Voss besonders gern und hat ihn auf Metall gebrannt.

Stahl-Künstler Heiko Voss lädt ein zum Rundgang durch den Skulpturengarten in Runow

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25. April 2020, 05:00 Uhr

Heiko Voss mag schwere Sachen. „Jedes meiner Bilder wiegt mehrere Kilo. Dieses Mosaik aus 400 kleinen, unterschiedlichen farbig gebrannten Stahlplatten zum Beispiel ist gut 40 Kilogramm schwer“, erzählt der Metallkünstler. Kombinationen von rosigem Stahl und vergoldeten Flächen, geätzte Metallplatten mit 3-D-Effekt, Holzdruck auf Stahl – Voss experimentiert gern und hat Gespür für Ästhetik. Keines seiner Kunstwerke gleicht dem anderen. Zu sehen ist ein Teil seiner Arbeiten – wegen der Corona-Krise allerdings nur die großen Plastiken – am Sonntag in seinem weitläufigen Skulpturengarten in der Langen Straße in Runow Richtung Ortsausgang Prestin kostenlos von 10 bis 17 Uhr.

Zu finden ist das Areal an der alten LPG-Schlosserei leicht. Denn viele der rund 30 Skulpturen sind mehrere Meter groß. Wie etwa „Stairway to Haven“, die Himmelsleiter. „Die Personen ganz unten sind zögerlich oder ängstlich, ob sie den Aufstieg wagen sollten. Die etwas höher Positionierten schon mutiger. Die weiter oben dann neugierig, erwartungsvoll und die ganz oben voller Freude und Glückseligkeit“, beschreibt der gebürtige Schleswig-Holsteiner, der seit 25 Jahren in Mecklenburg lebt, die meterhohe, silbrige Plastik.

Hinter der Himmelsleiter steht ein Windschutz aus Stahl, aus dem anscheinend ein Dinosaurier zwei gewaltige Happen herausgebissen hat. Hoch oben in einem vier Meter hohen, aufgesägten und gedrehten Stahlrohr, das innen zweifarbig patiniert ist, blitzt eine Kugel aus poliertem Edelstahl, die den Betrachter spiegelt. In einem Robinienstamm auf Stahlsockel hängen Ringe und Rechtecke aus Metall. Daneben stehen philosophische Objekte wie etwa die Quadratur des Kreises, die Henne und das Ei, künstliche Intelligenz und menschliche. „Ich mag die Auseinandersetzung mit aktuellen Themen, ich glaube, ich werde auch politischer“, sagt der Mann mit den großen Schlosserhänden.

Nach 40 Jahren als Handwerker – Heiko Voss ist Schlossermeister, Schweißfachmann und Schmiedemeister – fühlt er sich immer mehr zur Kunst hingezogen. „Ich liebe es, zu gestalten, zu experimentieren, zu entwerfen und mich dabei immer wieder überraschen zu lassen“, sagt der 58-Jährige mit dem feinen Händchen für Metall. Noch verdient er den Großteil seines Lebensunterhalts mit der Schlosserei, doch die Kunstader wird wohl bald die Oberhand gewinnen. Dafür spricht zumindest der Skulpturengarten.

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