Wittenförden : Bunte Steine auf Reisen

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„Schmunzelsteine“ nennen die Wittenfördener ihre selbstbemalten Glücksbringer: Wer einen möchte, muss sich im Dorf auf die Suche machen

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24. April 2019, 12:00 Uhr

Wittenförden | „Wir möchten euch ein Schmunzeln schenken“. So beginnt der Brief, den Julie mit ihren Freunden im Schulhort an die Menschen in Wittenförden geschrieben hat. Gemeinsam sind die Kinder losgezogen und haben die gelben Zettel im Dorf ausgehängt. Am Einkaufsmarkt. An der Kirche. Vor der Zahnarztpraxis. Beim Frisör und im Bäckerladen.

Glück sollen die bunten Steine bringen

Die Wittenfördener sollen wissen, was es mit den bunten Steinen auf sich hat, die seit ein paar Tagen unter Bäumen, zwischen Sträuchern, auf Fensterbänken, neben Gartenpforten oder in Blumenbeeten liegen. Julie und ihre Freunde haben sie bemalt und versteckt. Sie nennen sie „Schmunzelsteine“. „Denn wir denken, dass derjenige, der sie findet, sich darüber freut“, sagt Julie. Die Zehnjährige sitzt am großen Tisch und tupft mit einem Stecknadelkopf gelbe Pünktchen auf einen blau grundierten Kieselstein. Es ist ihr fünfter „Schmunzelstein“. Den ersten hat sie in einer Zeitungsrolle versteckt. Den letzten bekam ihre kranke Schwester Lyra. „Was soll ich sagen“, sagt Julie. „Am nächsten Tag war sie wieder gesund.“

Glück sollen die bunten Steine bringen. Glück, Freude und Erstaunen. Erzieherin Simone Bobsin hatte den Kindern das erste Mal im Hort in der Yogastunde von den kleinen, bunten Steinen berichtet, nachdem sie im Fernsehen einen Bericht darüber sah. Der Brauch stammt ursprünglich aus England. Längst suchen aber auch Menschen an der Elbe in Lauenburg und Boizenburg oder an der Weser in Nienburg Steine, bemalen sie und legen sie wieder aus, damit andere sie finden.

Alle waren sofort begeistert

Steine spielen im Wittenfördener Hort schon lange eine große Rolle. „Wir haben keinen Sandkasten, sondern einen Steinekasten“, sagt Simone Bobsin. Und im Yoga reichen sich die Kinder Glückssteine herum, um für andere oder auch sich kleine Wünsche auszusprechen. Von der Idee mit den Schmunzelsteinen waren alle sofort begeistert. „Man steckt andere schnell an“, sagt Simone Bobsin und erzählt, dass jetzt auch zuhause die Familie oft zusammen sitzt und Steine bemalt. „Die Idee verbindet. Nicht nur die Leute im Ort, sondern auch die Generationen“, sagt Sven Olaf Thölken vom Diakoniewerk Neues Ufer, dem Träger des Hortes.

Er ist überrascht, wie groß die Resonanz ist. So gibt es im Internet eine Facebook-Gruppe, in der die glücklichen Finder Fotos ihrer Steine posten. Christine Lalla hat einen Stein mit der Aufschrift „Love“ gefunden. Sie hätte ihn an anderer Stelle wieder verstecken können. Aber sie behält ihn lieber – als Glücksbringer. Auch Erzieherin Simone Bobsin hat einen Schmunzelstein entdeckt. Die Kinder haben ihr heimlich einen in die Jackentasche gesteckt. Blumen, Sonnen, Motorräder, Fische oder lachende Gesichter finden sich auf den Steinen, die die Hortkinder zum Trocknen ins Regal legen. Auch Anna malt jeden Tag ein neues Motiv. Diesmal soll es ein Apfelbaum werden. Die Idee, erzählt sie, kam ihr am Abend kurz vor dem Einschlafen.

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