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Dritter Fall von Tiersammelsucht in Schwerin : Schwerin: 74 Katzen aus Wohnung befreit

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Es ist der dritte Fall von Tiersammelsucht innerhalb eines Jahres in Schwerin: Das Veterinäramt hat 74 Katzen aus einer etwa 60 Quadratmeter großen Wohnung im Mueßer Holz geholt.

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erstellt am 28.Jul.2011 | 05:11 Uhr

Schwerin | Es ist der dritte Fall von Tiersammelsucht innerhalb eines Jahres in Schwerin: Das Veterinäramt hat 74 Katzen aus einer etwa 60 Quadratmeter großen Wohnung im Mueßer Holz geholt. Die Tiere waren laut Amtstierärztin Dr. Christel Riemann verwahrlost, krank, litten unter Parasitenbefall. Mehrere Katzen befinden sich in Quarantäne und sind im Tierheim untergebracht. "Zwei Katzen haben es nicht geschafft", sagt die Amtstierärztin.

Jetzt prüft die Staatsanwaltschaft den Fall. Die Halterin musste unter Androhung eines Zwangsgeldes unterschreiben, auf das Halten von Tieren zu verzichten. Sie leidet vermutlich unter Tiersammelsucht, dem so genannten "animal hoarding". In Deutschland ist das eine psychische Störung, in den USA bereits als Krankheit anerkannt.

Schon im November 2010 war ein Katzenhalter mit 17 Tieren aufgefallen. In einem anderen Fall lebten 15 Katzen bei einer Frau. "Mehr als fünf Tiere sind ungewöhnlich", sagt Dr. Riemann. Jetzt soll ein Frühwarnsystem installiert werden. Um solchen Fällen vorzubeugen, sollen sich Schweriner Wohnungsunternehmen, Tierheim und Tierschutzverein enger vernetzen. "Wenn wir als Veterinäramt eingreifen, entsteht meist großer Druck auf die Betroffenen", sagt Riemann. Das sei kontraproduktiv, "immerhin handelt es sich um menschliche Schicksale".

Mit fachlicher Begleitung konnten die ersten zwei Betroffenen in Schwerin aus ihrer sozialen Isolation geholt werden. Um die Frau aus dem Mueßer Holz wird sich nun bemüht. Ihre Katzen haben im Tierheim ein Kurzzeit-Zuhause gefunden. Elf sind bereits vermittelt. Informationen zu weiteren Tieren gibt es unter 0385-20 10 447.

>> TIERSAMMELSUCHT

Tierhortung ist eine psychologische Störung. Betroffene sammeln Tiere, die mit der Zeit verwahrlosen. Der Horter erkennt diese Missstände nicht, hält sich sogar oft für einen Tierschützer. Gesellschaftliche Isolation und zwanghaftes Helfersyndrom lösen die Störung aus. Drei von vier Tierhortern sind Frauen. Das so genannte „animal hoarding“ ist keine anerkannte Krankheit, sondern wird als Symptom einer Zwangserkrankung gesehen.


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