Schwere Erkrankungsfälle in MV - Kliniken gerüstet

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24. Mai 2011, 08:42 Uhr

Schwerin/Rostock | Das gefährliche Darmbakterium EHEC breitet sich auch in Mecklenburg-Vorpommern immer weiter aus. Die Zahl der Erkrankten ist inzwischen auf 15 gestiegen, wie Anja Neutzling vom Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) gestern in Rostock mitteilte. Das sind fast doppelt so viele wie am Vortag.

Für einige dieser Fälle stehe die labordiagnostische Bestätigung noch aus, so Neutzling. Die Patienten stammten aus der Hansestadt Rostock sowie den Landkreisen Ludwigslust, Parchim, Mecklenburg-Strelitz und Rügen. Mindestens zwölf von ihnen würden in Krankenhäusern behandelt.

Schutzkleidung für Mitarbeiter

Sieben Betroffene sind demnach besonders schwer erkrankt: Bei ihnen ist das so genannte HUS-Syndrom ausgebrochen oder es besteht der Verdacht auf HUS. Die Abkürzung steht für Hämolytisch-Urämisches Syndrom, eine Komplikation, bei der akutes Nierenversagen, Blutarmut durch den Zerfall roter Blutkörperchen und Mangel an Blutplättchen auftreten. Diese Komplikation ist lebensbedrohlich.

Die Kliniken in Mecklenburg-Vorpommern sind darauf vorbereitet, dass sich die Zahl der Patienten auch mit schweren Krankheitsverläufen weiter erhöht. So verzeichnete gestern auch das Universitätsklinikum Rostock neue Verdachtsfälle. Die EHEC-Patienten würden auf der Isolierstation behandelt, sagte der Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Rostock, Professor Emil Reisinger. Dort seien die Mitarbeiter besonders geschult im Umgang mit entsprechenden Infektionskrankheiten. Besuch dürften die Patienten zwar bekommen, so Reisinger. "Doch je weniger Angehörige kommen, desto weniger besteht auch die Möglichkeit, den Erreger auf die Besucher zu übertragen", rät der Mediziner zur Zurückhaltung.

Auch bei den Helios Kliniken in Schwerin werden die EHEC-Erkrankten isoliert. Hier würden derzeit neun Menschen behandelt, bei denen das gefährliche Darm-Bakterium nachgewiesen wurde oder der Verdacht auf eine EHEC-Infektion besteht, sagte gestern Kinik-Sprecherin Grit Czapla. Einer der Betroffenen sei schwer erkrankt.

Oberstes Gebot im Umgang mit den Patienten sei die strikte Einhaltung der Händehygiene, die gezielte Desinfektion aller Kontaktflächen und Sanitätsbereiche sowie der Schutz des Personals durch zusätzliche Schutzkleidung, sagte Grit Czapla. "Der Patient darf Besuch empfangen, wenn die Person selbst gesund ist und die notwenigen Hygieneregeln eingehalten werden."

Keine rohen Zutaten essen

Wie die meisten seiner Kollegen in Deutschland vermutet auch Professor Emil Reisinger, dass sich der Erreger über ein Nahrungsmittel wie beispielsweises rohes Gemüse weit verbreitet hat. Dass so viele Frauen betroffen sind, führt er darauf zurück, dass das Essen häufiger von Frauen zubereitet wird als von Männern. Bei der Zubereitung könnten die Hände mit dem Keim verunreinigt werden. Wenn dann die Nahrung auch noch mit der Hand roh in den Mund gelange, könne es zur Infektion kommen, erläutert Reisinger.

"Jeder, der kocht, sollte aufpassen, dass er rohe Zutaten nicht während des Kochens isst und dass er sowohl beim Kochen als auch danach die Hände wäscht", empfiehlt der Mediziner.

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