Schwanger und nicht versichert

Das 'Jobcenter Güstrow': kein Geld für eine Schwangere
Das "Jobcenter Güstrow": kein Geld für eine Schwangere

In einer Woche erwartet Corinna R. (24) ein Baby, ab morgen ist die junge Frau aus Teterow aber nicht mehr krankenversichert. Das "Jobcenter Güstrow" sperrte den Zuschuss für die arbeitslose Hochschwangere, da sie bei ihrem Freund lebt, der genügend Geld verdiene.

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01. August 2009, 09:13 Uhr

Teterow/Güstrow | Ein Fall, der für Emotionen sorgt: Empört ist Robert Rutkowski aus Rostock, der das Schicksal der jungen Teterowerin öffentlich macht. Er befürchtet eine "Familientragödie", spricht von möglicher Fehlgeburt und "Unmenschlichkeit". Er könne einfach nicht verstehen, dass sich der Staat hier aus der Verantwortung ziehe.

Am 9. August hat Corinna R. Entbindungstermin. Sie erwartet ein Sonntagskind, vermutlich einen Jungen. Seit Januar lebt die junge Frau bei ihrem Freund im Haus bei Teterow. Der sei Landwirt, verdiene "mal mehr, mal weniger". Die 24-Jährige ist arbeitslos. Nun bekam Corinna R. von der Arge "Jobcenter Güstrow", die Langzeitarbeitslose betreut und staatliche Leistungen verteilt, die Auskunft: Da der Partner mehr Geld verdiene, entfalle für die Frau in der berechneten Bedarfsgemeinschaft das Arbeitslosengeld - damit auch die Krankenversicherung. "Ab morgen bin ich nicht mehr versichert", erklärte R. gestern. Sie mache sich Sorgen um die Gesundheit ihres Kindes und ihre. Die Sachbearbeiterin habe erklärt: Sie solle sich selbst versichern. "Aber wovon denn?"

Matthias Bonack vom Jobcenter Güstrow verteidigt das Vorgehen seiner Behörde. Laut Gesetz gelte: ohne Arbeitslosengeld II auch keine Krankenversicherung. Für die Empfängerin wäre ein Zuschuss von 138,30 Euro zur Krankenversicherung möglich, wenn alle Gesetzmäßigkeiten erfüllt sind. Das Einkommen des Paares - wenn auch nicht verheiratet - aber "übersteigt die maximale Zuschusshöhe". Bonack: "Der Antrag auf Zuschuss wurde daher abgelehnt." Dies sei "ein normaler Vorgang. Der Staat setzt Selbsthilfe an erster Stelle". Corinna R. sollte sich freiwillig versichern.

Das will die junge Frau nun auch tun. "Am Montag gehe ich zur Krankenkasse." Wovon sie die Kosten aber bestreiten soll, wisse sie noch nicht. "Wohl erstmal mit Geld von meinem Freund." Später wolle sie es dann verrechnen - nachdem sie einen neuen Antrag beim Jobcenter gestellt hat, der hoffentlich besser ausfalle, "wenn mein Freund im Herbst wieder weniger verdient". Ist das Kind erst auf der Welt, würde das Jobcenter die Ansprüche erneut prüfen, so Bonack.

Sorge um eine sachgemäße Geburt brauche sich Corinna R. auch ohne Krankenversicherung nicht zu machen, erklärt Matthias Fischer, Verwaltungsdirektor des Güstrower KMG-Klinikums. "Sie wird bei uns aufgenommen - ohne Wenn und Aber." Das Finanzielle werde grundsätzlich erst im Anschluss geklärt.

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