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Lokales

25. September 2017 | 22:46 Uhr

Schwalbe Piepsi pfeift auf den Süden

vom

svz.de von
erstellt am 29.Okt.2010 | 08:28 Uhr

Klocksdorf | Während tausende Vögel Richtung Süden fliegen, will eine Schwalbe den Landkreis Nordwestmecklenburg partout nicht verlassen: Piepsi. Sie war im Juli dieses Jahres in Klocksdorf aus dem Ei geschlüpft und wenig später aus dem Nest geworfen worden. Ihr Ende war damit eigentlich besiegelt. Doch Horst Hundstein päppelte die Rauchschwalbe auf. Beide sind inzwischen unzertrennlich. "Andere haben Papageien oder Wellensittiche, ich eben eine Schwalbe. Ich habe mich in diesen kleinen Vogel ,verliebt", sagt Hundstein. Sie frühstücken zusammen. Sie genießen gemeinsam die wärmenden Strahlen der Herbstsonne und sie fuhren mit dem Auto bereits bis Berlin und Perleberg. Dort besuchte der 76-Jährige Freunde und Verwandte. Dabei stellte er ihnen auch seinen ungewöhnlichen Begleiter namens Piepsi vor.

In Klocksdorf ist die Schwalbe kein unbekannter Vogel mehr. Vor allem in Kinderkreisen genießt Piepsi den Ruf eines Stars. Denn sie wagt sich auch auf deren Hände. "Manchmal ist die Stube voller Kinder. Ich sagte schon zu ihnen: Jetzt nehme ich aber bald Eintritt", verdeutlicht der Naturfreund und lacht. Versuche, Piepsi mit anderen Artgenossen vertraut zu machen, scheiterten bislang. "Ich hatte die Hoffnung, dass Piepsi mit ihnen mitfliegen könnte. Aber sie hat keine Anstalten gemacht. Jetzt muss ich sie eben durch den Winter bringen", sagt Hundstein.

Erfahrungen mit Schwalben hat der heute 76-ährige allemal. 1952 hatte der gebürtige Perleberger während eines Naturschutz-Lehrgangs bei Waren zusammen mit anderen Teilnehmern mehr als 100 Schwalben vor dem Tod gerettet. Nach einem Unwetter saßen junge und alte Vögel damals entkräftet auf Koppelzäunen. "Wir konnten sie eine nach der anderen vom Koppelzaun nehmen und sie in Schuhkartons setzen", erinnert sich Hundstein. In einem verdunkelten Raum hätten sie dann Futter erhalten: Mehlwürmer. Diese hatte Hundstein mit dem Fahrrad aus dem sieben Kilometer entfernten Waren geholt. "Am nächsten Morgen waren alle Schwalben quietsch vergnügt und besaßen wieder die Kraft zum Fliegen. Wenn wir sie nicht von den Koppelzäunen geholt hätten, wären sie eine leichte Beute für Katzen, Habichte und Eulen gewesen. Dass wir die Schwalben retten konnten, hat mich geprägt, war ein Schlüsselerlebnis", sagt Hundstein.

Auf dem Speiseplan von Piepsi stehen nicht nur Mehlwürmer. Das Erste, was sie von Hundstein im Sommer zu futtern bekam, war ein gekochtes Eigelb. Auf Piepsis Futterplan stehen zudem Angelwürmer und Fliegen. Auf letztere macht Hundstein Jagd mit einer Fliegenklatsche, deren Stab Piepsi ansonsten zum Balancieren vor einem Spiegel nutzt. Als Zuschauer ist dann meistens Kater Otti dabei. Statt eifersüchtig auf den kleinen Vogel zu sein, passe er rührend auf Piepsi auf. "Der Kater hat schon Beschützerallüren. Manchmal sitzt er neben der Schwalbe auf dem Rasen und passt auf sie auf. Otti hat Piepsi als Familienmitglied akzeptiert", verdeutlicht Horst Hundstein.

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