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Lokales

22. August 2017 | 03:43 Uhr

Schwaan ist eine gute Kinderstube

vom

Schwaan | Die Störche der Region sind auf dem Weg in ihr Winterdomizil in Afrika. "Sie sind jetzt irgendwo zwischen Norddeutschland und dem Sudan", sagt Prof. Dr. Stefan Kroll. Für den Nabu-Storchenbetreuer des Landkreises Bad Doberan liegt eine zufriedenstellende Storchensaison hinter ihm. Besonders aus dem Amt Schwaan kann er Gutes berichten: "Die durchschnittliche Anzahl der Jungtiere liegt weit über den Landeswerten", sagt er. Das heißt konkret, hier brachten sechs Storchenpaare insgesamt 15 Junge zu Welt. Blieben 2009 noch über die Hälfte aller Brutnester leer, reduzierte sich die Zahl erfolgloser Elternstörche auf nur 16,7 Prozent im Amt Schwaan. Vor allem in Benitz, Bröbberow, Schwaan und Zeez fühlte sich Adebar wohl und zog jeweils drei Junge groß. Zu verdanken ist das den guten Bedingungen in der Region. "Das Nahrungsangebot ist in der Regel immer sehr gut, auch das Wetter hat gestimmt", sagt Kroll. Die frühe Ankunft im März trug ebenfalls zu den Erfolgserlebnissen bei. "Wenn die Störche aus Afrika früher zurück sind, dann war der Flug nicht so kräftezehrend. Sie sind dann noch fitter." Fit genug, um möglichst schnell Nachwuchs zu zeugen.

Eine besondere "Adoption" beobachteten Anwohner und Storchenbetreuer in Stäbelow. Dort tauchten eines Tages zwei fremde Jungstörche in einem Horst auf und "ließen sich durchfüttern", erzählt Kroll. Die Ringe an den Beinen gaben Aufschluss über die Herkunft der Tiere. Es waren zwei vertriebene Störche aus Bröbberow. Weitere Recherchen brachten des Rätsels Lösung zu Tage: Demnach sei ein Altstorch im Juni geschwächt unweit von Bröbberow aufgefunden worden. Die Feuerwehr Ziesendorf brachte ihn in den Zoo Rostock, wo er aufgepäppelt worden ist. "Wir denken, dass dieser Storch nach seiner Rückkehr in die Freiheit für sich den Horst in Bröbberow erobert hat und dabei mindestens einen der Brutstörche vertrieben hat", erzählt der Betreuer weiter. Die fremden Jungtiere hat er nicht mehr geduldet und vertrieben. Sie fanden anschließend Unterschlupf in dem Nest in Stäbelow, bis sie flügge waren. "So eine Adoptionsgeschichte hatten wir noch nie beobachtet."

Diese erfreuliche Geschichte kann jedoch nicht über den rückläufigen Bestand der Adebars hinwegtäuschen. "Mit 56 Storchenpaaren im Landkreis sind wir an einem Tiefstand angelangt", sagt Kroll resigniert. Im Amt Schwaan waren es in diesem Jahr nur sechs Horstpaare (2009: neun). Schuld ist nicht ausschließlich, aber vor allem die Landwirtschaft. Der erhöhte Maisanbau erschwere zunehmend die Futtersuche aus der Luft. Denn Grundlage für die Tiere sind Wiesen und Grünflächen. 2004 habe es bereits einen dramatischen Einbruch gegeben. "Da muss irgendwas auf dem Rückweg in Afrika passiert sein", vermutet der Professor der Universität Rostock. Bundesweit verzeichnet das Land den stärksten Rückgang der Tiere.

Seit 2009 nimmt der Landkreis Bad Doberan am Beringungsprogramm teil. Dabei werden etwa 50 Prozent aller Rotstrümpfe mit einem Plastikring, auf dem eine Nummer eingraviert ist, versehen. Finanziert wird die Aktion vom Kreisbauernverband. Der "Ausweis" erleichtert Storchenbetreuern wie Kroll, den Werdegang und die Flugroute der Störche nachzuvollziehen.

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erstellt am 08.Sep.2010 | 07:34 Uhr

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