zur Navigation springen
Lokales

20. November 2017 | 03:00 Uhr

Schulzeugnisse hinter Gittern

vom

svz.de von
erstellt am 08.Jun.2010 | 07:54 Uhr

Bützow | Schulausbildung hinter Gittern. Dieses Möglichkeit nutzten in der Justizvollzugsanstalt Bützow in den letzten 15 Jahren über 200 junge Häftlinge. 70 von ihnen erwarben in ihrer Haftzeit den Realschulabschluss, etwa 140 den Hauptschulabschluss.

"So ist die Zeit schnell verflogen"

Gestern erhielten die Absolventen des jüngsten Realschulkurses in der Haftanstalt ihre Zeugnisse. 14 Männer und zwei Frauen zwischen 20 und 35 Jahren hatten vor knapp zwei Jahren das Angebot angenommen, während ihres Gefängnisaufenthaltes den Zehn-Klassen-Abschluss nachzuholen. 12 von ihnen - darunter zwei Frauen - haben es geschafft. Sie konnten gestern in feierlichem Rahmen von Andreas Jolitz, Oberlehrer in der JVA, und Katja Ellenrieder, der stellvertretenden Anstaltsleiterin und Leiterin des Fachbereichs Bildung und Freizeit, ihre Zeugnisse entgegen nehmen.

Unter ihnen auch Andreas (32), der für sechs Jahre im Bützower Gefängnis sitzt und der dort zuvor bereits den Hauptschulabschluss nachgeholt hat. "Durch die Schule ist die Zeit schnell verflogen", sagt er. Das Ergebnis seiner Mühen sind viele gute Noten auf dem Zeugnis. Als nächstes will Andreas nun im Gefängnis auch noch eine Berufsausbildung machen. Er will Bäcker werden.

"Unsere Anstalt ist in Mecklenburg-Vorpommern die einzige im Erwachsenenvollzug mit einer Berufsschule und einer Haupt- und Realschulausbildung", sagt Pressesprecher Jens Kötz. Häftlinge aus dem ganzen Land, die so eine Ausbildung machen möchten, kommen deshalb in die JVA Bützow.

Außer Bäcker ist dort für Häftlinge ohne Berufsabschluss die Ausbildung zum Tischler und Koch möglich.

Jede Woche 24 Unterrichtsstunden

"Wir sind stolz auf diesen Fachbereich und auf Sie", wandte sich Katja Ellenrieder an die erfolgreichen Schulabsolventen. "Die meisten haben die Prüfungen gut gemeistert und sich gut geschlagen", würdigte auch Andreas Jolitz die Leistungen der Männer und Frauen. "Was Sie nach ihrer Entlassung dann aus diesem Zeugnis machen, liegt in Ihrer Hand", so Jolitz an die Absolventen, die unter seiner Leitung von sechs Lehrern der Volkshochschule Güstrow unterrichtet wurden.

Innerhalb von 20 Monaten hatten die Kursteilnehmer pro Woche 24 Stunden Unterricht: täglich von 8 bis 11.30 Uhr und von 14 bis 16 Uhr. Unterrichtet wurden Deutsch, Mathe, Englisch, Geschichte, Geografie, Biologie und Informatik. In vier schriftlichen Prüfungen in den Kernfächern Deutsch, Mathe und Englisch sowie in einem Wahlfach und in drei mündlichen Prüfungen mussten die Kursteilnehmer ihr Können beweisen.

Als Vorsitzende der Prüfungskommission fungierte, wie schon seit Jahren, die Leiterin der Bützower Regionalschule, Gudrun Radziwolek. Ihren Glückwünschen schloss sie die Aufforderung an die jungen Leute an, das Angebot auch zur Berufsausbildung wahrzunehmen. "Umso bessere Voraussetzungen haben Sie, wenn Sie diese Räume verlassen", richtete sie sich an die Kursteilnehmer. Und dies er recht, weil alle ein "neutrales" Zeugnis ohne Hinweis auf die JVA erhielten. Dafür abgestempelt von der Bützower Käthe-Kollwitz-Schule.

Bildung sei "in diesem Hause eine der besten Formen, um wieder zurückzufinden ins Leben", so Christian Dobslaw, Leiter der Volkshochschule. Die zwölf frisch gekürten Realschüler haben dafür einen wichtigen Schritt getan.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen