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Lokales

26. September 2017 | 20:23 Uhr

Schulstunden in Bildersprache

vom

svz.de von
erstellt am 29.Okt.2010 | 08:31 Uhr

Wittenberge | Gestern früh in der Wittenberger Oberschule: Der 16 Jahre alte Maziar und sein um ein Jahr älterer Bruder Ramin sitzen in einem Klassenraum, es geht um deutsche Grundbegriffe aus der Biologie. Während ihre Mitschüler aus den 10. Klassen ihre Betriebspraktika absolvieren, bemühen sich die Lehrer, den Schülern, die mit ihren Eltern als Kriegsflüchtlinge aus Afghanistan kamen, wenigstens elementare Kenntnisse in Deutsch zu vermitteln. Die Jungen wollen lernen, seien ausgesprochen aufgeschlossen und interessiert, so haben die Lehrer sie und ihre 14-jährige Schwester Pariesa bis jetzt kennen gelernt. Trotzdem: Die Lern erfolge sind gering. "Wie sollen die Schüler im Fachunterricht etwas mitbekommen, wenn sie keine Grundkenntnisse in der Sprache haben?", fragt Oberschulleiterin Sigrid Neutmann - weniger eine Frage als eine Feststellung.

Und so freuten sich Maziar und sein Bruder Ramin gestern gemeinsam mit der Biologielehrerin über kleinste Erfolge. Das Wort Skelett bezeichnet augenscheinlich nicht nur im Deutschen den Knochenapparat, sondern auch im Persischen. Schädel, Knochen, Kopf und Arme lernen Maziar und Ramin gestern früh, auf Deutsch richtig zu benennen. Sind das die winzigen Schritte in einen normalen Schulalltag?

Richtigen Vorlauf hatte die Oberschule nicht, um sich auf die drei afghanischen Schüler vorzubereiten. "Als wir feststellten, dass die Kinder kein Wort Deutsch sprechen, mussten wir uns etwas einfallen lassen", berichtet Sigrid Neutmann. "Momentan sieht es so aus, dass Pariesa normal am Unterricht der 8. Klasse teilnimmt und darüber hinaus Sonderunterricht in Deutsch bekommt. Maziar und Ramin, die beide in der 10. Klasse sind, haben zurzeit nur Deutsch, da ihre Mitschüler gerade ihr Betriebspraktikum absolvieren."

Die Verständigung im improvisierten Sprachkurs erfolge über Zeichensprache und über Bilder, so Sigrid Neutmann. "Das Einzige, was uns etwas die Tür öffnet, ist ein kleines Heft mit Umgangssprache in Deutsch und Persisch. Nötig wäre ein richtiger Intensivkurs, um eine ordentliche Basis zu schaffen. An den Kindern liegt es nicht", unterstreicht die Schulleiterin. Damit sie sich auch zu Hause ein wenig mehr in die deutsche Sprache und Kultur einarbeiten können, hat die Schule ihren neuen Schülern sogar einen PC mit verschiedenen Lernprogrammen zur Verfügung gestellt. "Als Anreiz", so Sigrid Neutmann.

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