Schulsozialarbeit auf Zeit

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23. Oktober 2010, 01:57 Uhr

Ludwigslust | Das befristete Landesprogramm "LehrerInnen in der Schulsozialarbeit" ist 2007 in 34 Schulen Mecklenburg-Vorpommerns eingeführt worden. Initiiert wurde es vom Sozialministerium in Zusammenarbeit mit Fachkräften der Jugendhilfe. Die finanzielle Unterstützung erfolgt durch den Europäischen Sozialfonds bis 2013. Ein Gesamtbudget von 6,2 Millionen Euro steht zur Verfügung, davon sind 5 Mio. ESF-Mittel und 1,2 Mio. Landesmittel.

Um das Programm längerfristig zu finanzieren, werden die Gelder stufenweise abnehmend ausgereicht. Das hat zur Folge, dass mit dem kommenden Schuljahr 2011 / 2012 von 31 Stellen nur noch zehn gefördert werden können.

Eine der von den Kürzungen Betroffene ist Ramona Stein. Sie arbeitet seit 2007 als Schulsozialarbeiterin am Goethe-Gymnasium Ludwigslust. Was sie jedoch von anderen Kollegen unterscheidet- sie war vorher 20 Jahre Lehrerin. Dank des Projektes ,,LehrerInnen in der Schulsozialarbeit" konnte sie der neuen Berufung nachgehen.

"Als Lehrerin war ich schon oft mit Schülerproblemen konfrontiert. Jedoch schaffte ich es nicht, diesen Problemen nachzugehen. Ich hatte weder Zeit noch die nötige Erfahrung. Der Gedanke, mich selbst in einem neuen Arbeitsfeld weiterzubilden, verflog nicht", sagt Ramona Stein rückblickend.

Lehrer erhalten die Möglichkeit, befristet im Arbeitsfeld der Schulsozialarbeit tätig zu sein und sind als Fachkraft für Vernetzungs- und Vermittlungskompetenzen verantwortlich, um Schulen nach innen und außen bewusst zu öffnen. "Als ich am Gymnasium anfing, gab es kaum außerschulische Angebote, aber jeder wollte sich einbringen", so die 46-Jährige weiter. So viele Schulen wie möglich sollten mit Lehrern in der Schulsozialarbeit besetzt werden. In Mecklenburg-Vorpommern sind seitdem 31 Schulen Teil dieses Vorhabens.

Auch Ramona Stein will sich bis Januar für die verbliebenen zehn Stellen bewerben. "Es hängt leider nur am Geld, nicht an den Ergebnissen, die man geschaffen hat. Seit drei Jahren baue ich ein Netzwerk, in dem jeder versorgt wird, mit dem, was er braucht. Ich sehe mich als Schnittstelle zwischen Schule und außerschulischen Institutionen, Organisationen, Vereinen und der Jugenhilfe", betont Ramona Stein. Nachfrage sei vorhanden, bei Schülern und bei Lehrern. Das Projekt sei als Begleitprogramm ein Teil der Landesinitiative "Jugend- und Schulsozialarbeit". Ihr Mentor Jürgen Wolf, tätig als Schulsozialpädagoge an der Berufsschule Ludwigslust, meint: "Der Bedarf an Pädagogen in der Schule ist enorm. Grundschulen und Gymnasien sind beispielsweise ungenügend abgedeckt. Regionalschulen dagegen schon weitaus besser."

Das Aufgabenspektrum eines Lehrers in der Schulsozialarbeit ist breit gefächert. Neben Ramona Steins Hauptaufgaben in der Einzelfallhilfe - darunter Mobbing, Stressbewältigung, häusliche Vernachlässigungen, Drogen, Schulbummelei - entwickelt sie auch Schülerprojekte, gibt Tipps bei der beruflichen Orientierung oder kooperiert mit Institutionen der Schule. Ramona Stein schwärmt: "Das Schönste an meiner Arbeit ist, dass ich fast jeden Tag ein Dankeschön bekomme, als Lehrer war das leider weniger der Fall."

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