Schulnoten nicht allein entscheidend

Marcel Rehfeldt, Leiter des 'hagebaumarktes' in Lübz (r.), und sein Stellvertreter Reinhard Beck freuen sich, mit Martin Warncke einen guten Mitarbeiter hinzugewonnen zu haben. Ilja Baatz
Marcel Rehfeldt, Leiter des "hagebaumarktes" in Lübz (r.), und sein Stellvertreter Reinhard Beck freuen sich, mit Martin Warncke einen guten Mitarbeiter hinzugewonnen zu haben. Ilja Baatz

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28. Juli 2010, 01:57 Uhr

lübz | Martin Warncke aus Herzberg freut sich. Nach seiner Ausbildung zum Kaufmann im Einzelhandel hat ihn der Lübzer "hagebaumarkt" jetzt übernommen. "Die Arbeit selbst wie auch das Miteinander der Kollegen - alles passt zusammen", sagt der 20-jährige Herzberger. "Ich bin froh, dass es geklappt hat."

Seit seiner Errichtung 1994 hat der Baumarkt in jedem Jahr ununterbrochen einen eigenen und zusätzlich einen überbetrieblichen, von einem anderen Bildungsträger vermittelten Auszubildenden eingestellt. Der Abschluss für beide unterscheidet sich in keinem Punkt. Einzige Änderung in der gesamten Zeit: Seit 2009 wird überbetriebliche Ausbildung nicht mehr gefördert, weil die Zahl der Stellenangebote allgemein höher als die Nachfrage ist.

Allein in Lübz wurden seit 1994 sechs Auszubildende übernommen. "Alle, die eine entsprechende Empfehlung ihrer Vorgesetzten bekommen haben, wurden eingestellt - nicht unbedingt in Lübz, aber wir betreiben im Umkreis von 50 Kilometern sieben Märkte. Das ist viel und die Voraussetzung für eine Übernahme damit grundsätzlich erst einmal gut", sagt der Lübzer Marktleiter Marcel Rehfeldt. "Leider nimmt in jüngster Zeit zu, dass wir uns von Auszubildenden trennen müssen, weil zum Beispiel die geistige Entwicklung - die Einstellung zum Leben und zur Arbeit - nicht stimmt. Viel Geld verdienen, Haus kaufen und großes Auto fahren, aber möglichst wenig dafür tun: Dieser Grundsatz gewinnt an Fahrt. Bei vielen kommt die Einsicht zu spät."

Auch Rehfeldt registriere, dass schulische Leistungen durchschnittlich betrachtet immer weiter stark abnehmen: "Früher war eine Bewerbung auch aus dem Grund gut, wenn im Zeugnis mehrfach eine 2 stand. Heute ist gut, wenn sich keine 5 findet." Lade man die Bewerber trotzdem zum Gespräch ein, komme man allerdings öfter zu dem Schluss, auch dem nicht gerade brillanten Schüler wegen des guten persönlichen Eindrucks eine Chance zu geben. Ausschließlich von Noten auszugehen, sei falsch. "Oft gibt es zuhause keinen Rückhalt und die Einstellung ist verfahren, die Ausgangslage schwierig", meint Rehfeldt. "Wie wir wissen, kann jedoch entgegen vieler Vorurteile selbstverständlich auch ein bisher schlechter Schüler Biss und den Willen haben, etwas zu schaffen. Ist sein Bemühen ersichtlich, hat auch der Unternehmer die Pflicht, etwas zu tun, den Betreffenden zu unterstützen. Er darf nicht nur sagen: Alles sinnlos."

Der stellvertretende Marktleiter Reinhard Beck bestätigt, dass auch Auszubildende mit eher unterdurchschnittlichem Schulzeugnis sich in der Berufsschule letztlich gut gemacht haben, wenngleich etwa der Respekt vor dem anderem noch vor 20 oder 30 Jahren generell eine andere Bedeutung hatte. Das bedeute nicht, dass er heute überhaupt nicht mehr vorhanden sei.

Allergisch reagieren beide Führungskräfte auf Unehrlichkeit. "Sie reicht von vergleichsweise kleinen Dingen wie der felsenfesten Behauptung, eine Bestellung weitergegeben zu haben, obwohl gar nichts passiert ist, bis zu großen, die sofort den Kopf kosten", sagt der Leiter. "Ob unentschuldigte Fehlstunden an der Berufsschule, krank gemeldet und dann in der Disco/an der Ostsee gesehen oder gar nicht zum Dienst gemeldet - alles schon gehabt. Dann ist Feierabend."

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