Schulabbrecher: MV traurige Spitze

Die Arbeitsagentur schlägt Alarm: In keinem anderen Bundesland ist der Anteil der Schulabbrecher unter den Bewerbern um einen Ausbildungsplatz so groß wie in Mecklenburg-Vorpommern. Die Folgen: Wer keinen Abschluss hat, ist nur schwer zu vermitteln. Auf der anderen Seite suchen aber Betriebe dringend qualifizierten Nachwuchs. Ein Teufelskreis.

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14. September 2009, 08:44 Uhr

Schwerin | Petra Taraba startet heute durch. In einem einjährigen Kurs bei der SBW Aus- und Fortbildungsgesellschaft für Wirtschaft und Verwaltung in Schwerin will sie ihren Haupt schulabschluss nachholen. "Ich bin mit meiner Familie oft umgezogen und habe elf Schulen besucht", sagt Petra Taraba. Dabei sei der Abschluss auf der Strecke geblieben. Mit Gele genheitsjobs habe sie sich bislang über Wasser gehalten, so die 27-Jährige. Doch damit soll nun Schluss sein: "Ich möchte eine Umschulung zur Tagesmutter machen, und dafür benötige ich einen Hauptschul abschluss."

"Wer keinen Schulabschluss besitzt, der hat auf dem Arbeits- markt schlechte Karten", erklärt der Leiter der Schweriner Arbeits agentur, Helmut Westkamp. Dabei stelle sich die Situation in MV kritischer dar als in ande ren Bundesländern. Liege der Anteil der von der Arbeitsagentur re gistrierten Lehrstellen-Bewerber ohne Schulabschluss im Jahr 2008/2009 bundesweit bei 1,5 Prozent, so sei er im Nordosten mit 3,4 Prozent mehr als doppelt so hoch. "MV belegt damit in der Statistik den letzten Platz", so Westkamp.

Bildungsministerium macht andere Rechnung aufTatsächlich spiegeln die Zahle n der Arbeitsagentur die Realität offenbar noch nicht einmal vollständig wider. So geht der nationale Bildungs bericht 2008 davon aus, dass in MV mehr als zwölf Prozent

der Schüler die Schule ohne Hauptschulabschluss verlassen (Bundesdurchschnitt: 7,9 Prozent). Der Bericht beruht allerdings auf Zahlen von 2006. Und so macht das Bildungsministerium des Landes auch eine andere Rechnung auf: Die Zahl der Schüler, die die Schule ohne Hauptschulabschluss verlassen, sei landesweit von 1355 im Jahr 2006 auf 919 im Jahr 2008 gesunken, sagt der Leiter des Ministerbüros, Ulf Tielking. Er sieht da rin vor allem einen Erfolg des "Produktiven Lernens", einer Bildungsform mit hohem Praxisanteil, die mittlerweile an 25 Standorten angeboten werde. "Vom Schuljahr 2010/2011 sollen noch zwei Standorte hinzukommen", so Tielking.

Rund 900 000 Euro gibt allein die Schweriner Arbeitsagentur im Jahr aus, um insbesondere jungen Leuten die Möglichkeit zu geben, den Hauptschulabschluss nachzuholen. "Wir setzen aber auch verstärkt auf Prävention", betont Agentur-Leiter Westkamp. So gäbe es etwa Sommercamps zur beruflichen Frühorientierung oder auch das Instrument des Praxislerntags. "An einigen Schulen bieten da rüber hinaus spezielle Berufs einstiegsbegleiter ihre Dienste an", berichtet Westkamp. Denn - so die andere Seite der Medaille: Angesichts der demografischen Entwicklung suchten viele Betriebe händeringend nach geeignetem Nachwuchs.

Nach Angaben des Agentur-Chefs ist es in diesem Jahr nicht gelungen, alle aus geschrie benen Ausbildungsstellen zu besetzen. Und Peter Todt, zu ständiger Geschäfts bereichs leiter bei der Schweriner IHK, nannte auch erst jüngst wieder den Grund: Die von den Be werbern ange botenen Leistungen passten häufig nicht zu den Berufsanforderungen.

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