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CSD-Parade in Schwerin : Schrill und laut für mehr Toleranz

vom

Mit einer schrillen und lauten Party am Südufer des Pfaffenteichs haben am Sonnabend die Schwulen und Lesben in Schwerin für mehr Akzeptanz und Gleichberechtigung demonstriert.

svz.de von
erstellt am 03.Jul.2011 | 06:33 Uhr

Altstadt | Mit einer schrillen und lauten Party am Südufer des Pfaffenteichs haben am Sonnabend die Schwulen und Lesben der Landeshauptstadt für mehr Akzeptanz und Gleichberechtigung demonstriert. "Unsere Ausgrenzung ist noch immer nicht ausgeräumt", sagte Norbert Reinsch, Vorsitzender des CSD Schwerin, bei der Feier zum internationalen Christopher Street Day.

Das Straßenfest begann mit einem Umzug durch die Innenstadt, an dem sich auch mehrere Parteien und Organisationen mit eigenen Trucks oder Abordnungen beteiligten. Die schrillen Kostüme, die die CSD-Paraden in vielen Großstädten prägen, blieben in Schwerin doch eher die Ausnahme. "Das ist Klischee, gehört aber zum CSD immer dazu", sagte Reinsch. Viel wichtiger sei das öffentliche Flaggezeigen.

"Die gesellschaftliche Haltung gegenüber den Schwulen und Lesben in Schwerin hat sich in den vergangenen Jahren deutlich geändert und zwar mit beachtlicher Dynamik", fasste Vize-Oberbürgermeister Dr. Wolfram Friedersdorff zusammen. "Vor fünf Jahren stand am Christopher Street Day eine kleine Gruppe vor dem Rathaus, heute wird ein großes Straßenfest gefeiert." Dennoch sei es noch ein langer Weg, bis alle Vorurteile ausgeräumt seien.

Dies sieht Sozialministerin Manuela Schwesig, die die Schirmherrschaft für den CSD in Schwerin übernommen hatte, genauso: "Leider ist Homosexualität noch in vielen Bereichen des Alltags tabuisiert. Deshalb ist es wichtig, nicht nur heute Flagge zu zeigen." Jeder habe das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben und freie Wahl der Formen seines Liebeslebens.

Der Schweriner CSD-Chef Norbert Reinsch machte auf Defizite in der rechtlichen Gleichstellung aufmerksam, etwa bei der Steuergesetzgebung oder im Adoptionsrecht. Er appellierte an die Politiker, sich für Gleichberechtigung Toleranz stark zu machen. "Wir haben die gleichen Pflichten wie jeder Bürger, aber nicht die gleichen Rechte. Das muss verändert werden", forderte Reinsch unter dem Beifall der Besucher des Straßenfestes.

Gleich sechs Kommunalpolitiker bekamen dann direkt die Gelegenheit, ihre Positionen darzustellen: in einer öffentlichen Podiumsdiskussion, die von Radiomoderator André Schneider unterhaltsam geleitet wurde. Auf der Bühne hatten dazu Platz genommen: Stadtvertreter Sebastian Ehlers (CDU), Steffen Bockhahn, Landesvorsitzender der Linken und Bundestagsabgeordneter, Silke Gajek, Landessprecherin von B 90/Grüne und Stadtvertreterin, Stadtvertreter Stev Ötinger (FDP) und der Landtagsabgeordnete Jörg Heydorn (SPD).

In der spannenden Diskussion offenbarten die Politiker sehr unterschiedliche Positionen: "Wir brauchen ein Antidiskriminierungsgesetz im Lande, denn die Realität zeigt, dass bei allen Fortschritten noch gravierende Defizite bestehen", betonte Bockhahn, während Ehlers und Heydorn dies als überflüssig ablehnten. "Wichtiger als ein Gesetz ist die Realität, und da sind wir gut vorangekommen", sagte Sebastian Ehlers. Silke Gajek verwies darauf, dass die Grünen eine Landesarbeitsgemeinschaft Gleichstellung gegründet haben, um auch die Interessenvertretung der Schwulen und Lesben zu verbessern. Jörg Heydorn betonte, dass keine zusätzlichen Stellen in der Regierung wie etwa die eines Landesbeauftragten für Lesben und Schwule nötig seien. Wichtiger sei, bestehende Gesetze mit Leben zu füllen. Stev Ötinger sagte, dass die FDP Gleichstellung auf allen Ebenen unterstütze.

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