Schon wieder neue Namen?

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12. Januar 2010, 09:05 Uhr

GroSS Pankow | Gemeindevertreter Norbert Milatz kann sich noch gut an die Diskussionen zu den Straßenumbenennungen erinnern. Die gewohnten Dorfstraßen mussten seinerzeit im Rahmen der Gemeindegebietsreform weichen, denn in einer Großgemeinde Groß Pankow (Prignitz) wäre das Chaos eingezogen - zumindest bei der höchst amtlichen Post - hätte jeder Orts- bzw. Gemeindeteil eine Dorfstraße behalten. Doch die damaligen Gemeindevertretungen fügten sich in die Aufforderung, fanden neue Straßennamen. Für Rohlsdorf, wo Norbert Milatz auch zu Hause ist, beispielsweise eine Lindenstraße. Die Sache hat nur einen Haken, für diesen Namen entschieden sich noch andere Orte der Großgemeinde.

Und das wird nun zum Problem. Wenn nämlich die bisher noch kreislichen Leitstellen für Not- und Katastrophendienste zentralisiert werden. 2011 soll das passieren, weiß Volker Lehmann, in der Prignitzer Kreisverwaltung für den Katastrophenschutz tätig. Ein genaues Datum gebe es noch nicht, doch wenn der Startschuss erfolgt, dann gehört die Prignitz zur Leitstelle Potsdam. Dort sitzen dann nicht mehr so Prignitz-Kundige wie hier vor Ort. Das wiederum bedeutet, Einsätze müssen schnell und mit genauer Adresse erfolgen können, mehrere gleiche Straßennamen in einer Gemeinde könnten im Ernstfall fatale Folgen haben, wenn die Feuerwehr beispielsweise im falschen Ort landet.

Vor dieses Problem sieht sich nun Groß Pankows Bürgermeister Thomas Brandt gestellt und hat deshalb alle Ortsbeiräte aufgefordert, sich Gedanken zu machen. "Wir wollen das schließlich nicht übers Knie brechen", erklärt Brandt. Doch dem Bürgermeister geht es nicht nur um die Straßennamen. Er möchte mit dieser Veränderung auch endgültig die Postleitzahlfrage in der Gemeinde klären. Groß Pankow (Prignitz) besteht nämlich aus Orten zweier ehemaliger Altkreise, die zu DDR-Zeiten auch noch verschiedenen Bezirken angehörten. Und damit haben sie auch völlig unterschiedliche Postleitzahlen, die vom Altkreis Perleberg beginnen mit den Ziffern 19, die von Pritzwalk mit 16. "Schon in den 90er Jahren haben wir als Amt versucht, einheitliche Postleitzahlen für alle dazu gehörenden Orte zu bekommen, da hat man uns aber weggebügelt", erinnert sich Brandt. Später hätte das Potzustellungsproblem abgeschreckt. "Da hätten dann die Leute aus dem Perleberg nahen Raum ihre Pakete von Pritzwalk abholen müssen, wenn die Zusteller sie nicht zu Hause angetroffen hätten", erklärt der Bürgermeister. Doch mit der Arge, die seit 2005 die Hartz-IV-Empfänger betreut, seien alle Orte der Gemeinde der Pritzwalker Geschäftsstelle zugeordnet worden. Und das Postproblem sieht Brandt auch nicht mehr, denn die großen Filialen in Pritzwalk und Perleberg gehörten "ohnehin bald der Vergangenheit an, dann können die Bürger ihre Sendungen auch in der Servicestelle in Groß Pankow abholen". Brandt möchte für alle Orte die Pritzwalker Postleitzahl. Er verweist auf die Gemeinde Plattenburg, "die haben das schon geändert". Denn, so der Bürgermeister, allein bei der Fertigung der Wahlbenachrichtungs- oder Lohnsteuerkarten gebe es Probleme wegen der unterschiedlichen Postleitzahlen im Gemeindegebiet. Außerdem trügen einheitliche Postleitzahlen zu einer eindeutigen Zuordnung der Adressen im Ernstfall bei, verweist er auf die Zentralisierung der Leitstellen.

Gemeindevertreter Norbert Milatz lässt gerade diese Argumentation nicht gelten. Schließlich gebe es bei Pritzwalk ein weiteres Rohlsdorf, schon jetzt, bei unterschiedlichen Postleitzahlen, führe das oft zu Irrtümern. Für ihn und den Retziner Ortsbeirat erzeuge eine solche Umstellung nur unnötige Kosten und verärgere die Bürger.

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