Schon als Jugendlicher gebrochen

Heike Arens
Heike Arens

Existenzängste, Schul- und Ausbildungsabbruch, Schuldenfalle, Drogen - quälende Probleme von Jugendlichen, mit denen Eltern oft überfordert sind. Hilfe bietet die Kompetenzagentur im Landkreis Güstrow. Und diese Hilfe wird immer stärker in Anspruch genommen. Waren es 2008 noch 400 Jugendliche, die betreut wurden, sind es aktuell bereits 700.

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14. August 2009, 09:09 Uhr

Güstrow | "Der Bedarf ist immens", muss Heike Arens, Teamleiterin der Kompetenzagentur Güstrow, feststellen. Täglich kommen neue Jugendliche hinzu. Zahlreiche ihrer Klienten im Alter zwischen 14 und 27 Jahren seien gebrochene Menschen. "Erschreckend viele sind selbstmordgefährdet", sagt die 49-jährige gelernte Erzieherin. Seit zweieinhalb Jahren gibt es die Kompetenzagentur in Güstrow mit Außenstellen in Bützow und Teterow, sieben Mitarbeiter kümmern sich um die Jugendlichen, helfen ihnen bei der beruflichen und sozialen Integration. "Wir nehmen die Jugendlichen ernst, was die Gesellschaft oft nicht tut", unterstreicht Heike Arens.

Ihre Arbeit beschreibt die Teamleiterin als "lebenswelt- und arbeitsmarktorientierte Mittlerfunktion". Eng arbeitet die Kompetenzagentur dabei mit den Ämtern im Landkreis, dem Jobcenter und vor allem dem Jugendamt zusammen. Die meisten der betreuten Jugendlichen sind mehrfach benachteiligt: z. B. fehlender Schulabschluss, Suchtproblematik, psychische Probleme, Straftaten, Obdachlosigkeit. "Diese Jugendlichen können sich nicht mehr eigenständig um ihre Probleme kümmern. Hier setzt unsere Unterstützung an", erklärt Heike Arens. "Systematisch helfen wir ihnen, das Selbstwertgefühl wieder zu steigern und selbstständig zu werden." Durchaus mit Erfolg. Mehr als die Hälfte der Jugendlichen kann durch die Kompetenzagentur vermittelt werden: dieses Jahr bereits 34 in eine Schule, 68 in eine Ausbildung, 33 in Arbeit und 57 in sonstige Maßnahmen. Für diesen Erfolg arbeiten die Berater der Kompetenzagentur durchschnittlich bis zu sechs Monate mit einem Jugendlichen.

Heike Arens nennt vor allem auch die sinkende Leistungsbereitschaft in Schule und Ausbildung als Grund für die größere Nachfrage bei der Agentur. "Wir haben viele Schulabbrecher, die abrutschen, weil sie keinen Job finden", sagt sie. 70 Prozent der Klienten würden zudem aus sozial schwachen Familien kommen. "Es gibt viele Probleme, die die Jugendlichen nicht mit ihren Eltern besprechen können", so Heike Arens. "Bei uns können sie sich öffnen, ohne, dass es andere erfahren." Eltern würden es zwar grundsätzlich gut meinen mit ihren Kindern, aber aus der Sicht der Jugendlichen seien die Eltern immer die schlechtesten Ratgeber. "Wir werten in unserer Beratung nicht. Der Jugendliche glaubt eher mir als seiner Mutter, auch wenn es der gleiche Ratschlag ist", so Heike Arens.

Die Kompetenzagentur im Internet: www.kompetenzagentur-guestrow.de.

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