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Parchim: Willy Voß zeigt rund 200 Bilder und historische Kameratechnik : „Schönmalerei ist nicht mein Ding“

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Das, was das Parchimer Fotografen-Urgestein Willy Voß seit Freitag in einer Sommersonderschau im Parchimer Museum zeigt, ist unbedingt sehenswert.

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erstellt am 22.Jul.2011 | 09:15 Uhr

Parchim | Das, was das Parchimer Fotografen-Urgestein Willy Voß seit gestern in einer Sommersonderschau im Parchimer Museum zeigt, ist unbedingt sehenswert. Dem 71-Jährigen gelingt, ganz nach dem Motto seiner Schau "QuerBeet", mit grandioser Leichtigkeit, wovon mancher träumt. Auf rund 30 Quadratmetern bekommen fast sechs Jahrzehnte Regionalgeschichte ein unverfälschtes Gesicht.

Da hängen fein aufgezogen schwarz-weiß Bilder, die Voß als junger Bauernsohn in Stolpe aufgenommen hat, farbenfrohe mecklenburgische Landschaftsmotive und vor allem Porträts vieler Parchimer, die Voß im Alltag vor sein Objektiv bekommt. Geändert hat sich für Voß dabei in den zurückliegenden Jahrzehnten wenig: Seine Fotos sind der ungeschminkte Blick auf die Realität. Und das macht offenbar den Reiz der Lichtkunst von Willy Voß aus. Einige der Besucher der gestrigen Eröffnungsveranstaltung entdeckten das eigene Abbild, staunten, lachten, wurden nachdenklich und zollten dem Fotografen schließlich große Anerkennung.

Willy Voß, der 1952 als 13-Jähriger mit einem geborgten Fotoapparat zum ersten Mal ein Bild seiner Jungen-Clique in Stolpe schoss, war die Leidenschaft für die Fotografie keineswegs in die Wiege gelegt worden. Ganz im Gegenteil, denn sein Vater hätte es am liebsten gesehen, wenn sich sein Sohn vor allem für die Landwirtschaft begeistert hätte. Ende der 50er Jahre hatte sich der junge Stolper das Geld für einen ersten eigenen Fotoapparat mühsam zusammen gespart und auf einem Erntefest ein Foto geschossen, das sogar in der Zeitung veröffentlicht wurde. "Es war ein Glücksgefühl, anderen die eigenen Fotos zu zeigen. Und das ist bis heute so geblieben", räumt Voß ein.

Fotografie als Hobby in vollen Zügen ausgekostet

Ob als Filmvorführer, Soldat, später Meister bei der Bahn oder heute im Unruhestand, Willy Voß kostet sein großes Hobby Fotografie mit vollen Zügen aus. Schon im Fotozirkel, den er ab 1972 geleitet hat, war es ihm wichtig, mit den Bildern in der Öffentlichkeit für Aufmerksamkeit zu sorgen. Nicht selten ist er seinerzeit mit allzu nüchternen Fotos aus dem DDR Alltag angeeckt. "Schönmalerei ist nicht mein Ding", gibt er unumwunden zu. Voß hielt die historischen Tage der Wende in Parchim mit der Kamera fest und sorgte so für unwiederbringliche historische Dokumente.

Kaum bekannt dürfte sein, dass Willy Voß nicht nur leidenschaftlich gerne fotografiert, sondern sich auch für die Technik der Lichtkunst seit Jahren interessiert. "Fototechnik ist einfach faszinierend. Ich komme an keiner alten Kamera vorbei", sagt er. Inzwischen hat er eine der größten Sammlungen historischer Fototechnik zusammen getragen. Rund 750 Exponate - uralte Fotoapparate, Filmkameras, Objektive und Zubehör - umfasst sein Fundus. In der gestern eröffneten Ausstellung ist ein kleiner Teil der Fototechnikraritäten zu bestaunen. Fein säuberlich hat Voß alle Stücke katalogisiert und kann zu vielen Fotoapparaten auch eine persönliche Geschichte erzählen.

Die Besucher des heutigen Museumshoffestes, das um 15 Uhr in der Lindenstraße beginnt und bis 21 Uhr einige Überraschungen für die Besucher bereit hält, können auch die Ausstellung "QuerBeet" von Willy Voß im Untergeschoss des Hauses besichtigen. Dabei dürfte sich so mancher Parchimer auf einem der Fotos selbst entdecken.


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