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Lokales

23. November 2017 | 12:28 Uhr

"Schöne, aber eine tote Stadt"

vom

svz.de von
erstellt am 07.Jul.2011 | 06:53 Uhr

Pritzwalk | In Pritzwalk scheint ein Bauboom ausgebrochen zu sein - zumindest in den Randlagen. In der Rostocker Straße haben seit wenigen Wochen die Bagger das Regiment übernommen. Auf dem Gelände gegenüber des Hagebaumarktes sollen vier größere Geschäfte neu entstehen und damit die letzte Baulücke im dortigen Gewerbegebiet schließen.

Auch in der Bergstraße sind Baggerschaufeln im Einsatz. Gebäude der ehemaligen BHG werden abgerissen. Der Norma-Markt, der sich auf diesem Gelände befindet, hat seine Pforten bereits geschlossen und die Halle geräumt. Denn auch sie wird abgerissen. Auf dem Gelände sollen Ersatzbauten für Penny und Norma entstehen.

Das Schicksal der alten Gebäude in der Bergstraße wird in wenigen Tagen ein Stück weiter auch der ehemalige Henwi-Markt teilen. Die Auslagen sind verwaist, das Lager geräumt. Auch dieses Gebäude wird dem Erdboden gleich gemacht und durch einen Neubau ersetzt werden. Damit setzt in diesen Tagen eine Bautätigkeit in der Dömnitzstadt ein, wie man sie bislang nur kurz nach der Wende kannte.

Mit besorgten Mienen verfolgen die Einzelhändler in der Innenstadt das Geschehen. Sie befürchten bei diesem Bauboom auf der Strecke zu bleiben. Denn mit den neuen Ladengeschäften und Verbrauchermärkten werde die Innenstadt mit ihren kleinen Läden und Boutiquen immer mehr um Kunden werben müssen.

"Was da passiert ist auf keinen Fall gut für die Innenstadt", sagt Klaus Sattler, der einen Tabak- und Geschenkeladen betreibt. Das in der Innenstadt etwas passieren müsse, haben die Pritzwalker Stadtväter vor Jahren erkannt. Sie haben die Marktstraße gestaltet und in mehreren Bauabschnitten nebst dem Marktplatz saniert. Kostenlose Parkflächen in Innenstadtnähe wurden geschaffen und ein Einzelhandelskonzept erarbeitet und durch die Stadtverordneten verabschiedet.

"Viele Handelsvertreter die zu mir kommen sagen, Pritzwalk ist sehr schön geworden, aber leider völlig tot", sagt Siegfried Bever, der ein Geschirrfachgeschäft in der Marktstraße betreibt. Gebracht haben all die Aktivitäten der Vergangenheit für die Einzelhändler im Stadtzentrum offenbar nur wenig. Die wollten nicht nur von der Kommune unterstützt werden und suchten Hilfe bei der IHK. In Einzelgesprächen wurden sie beraten und gab es Tipps von Fachleuten, wie man mehr Umsatz erzielen und den Standort halten könne. Auch in den Beratungen hieß es immer wieder: Die Einzelhändler der Innenstadt müssen mehr zusammenarbeiten.

Mit lukrativen Angeboten sollten neue Händler angelockt werden, um den Leerstand der Ladengeschäfte abzubauen. Man sollte aber noch weiter gehen und die Marktstraße für den Verkehr öffnen, meint Roland Kaiser und begründet dies: "Ich betreibe einen Laden am Marktplatz und einen in der Rostocker Straße im Real-Markt. Viele Kunden kennen mein Geschäft in der Innenstadt nicht. Ältere Kunden schätzen die kurzen Wege im Außenbereich, die jungen Leute springen dort vom Auto direkt in den Markt. Längere Fußwege können und wollen einige nicht bewältigen", sagt er.

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