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Forstamt Ludwigslust warnt : Schneebruch: Lebensgefahr im Wald

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Der winterliche Waldspaziergang kann momentan zu einer echten Gefahr werden: Bäume drohen unter der Schneelast umzukippen, Äste brechen ab. Der Forstbetrieb ist nahezu zum Erliegen gekommen.

svz.de von
erstellt am 03.Jan.2011 | 10:57 Uhr

Beckentin/Kremmin | So romantisch die Stimmung in den tiefverschneiten Wäldern in und um Kremmin ist: Der Schein trügt. Mehrere hundert Kilo Schnee lasten derzeit auf jeder einzelnen Baumkrone - zu viel, sagt Dr. Holger Voss, Leiter des Forstamtes Ludwigslust. "Die momentane Lage ist sehr gefährlich. Die Bäume biegen sich und drohen umzukippen, Äste brechen ab." Vor allem Nadelhölzer haben mit der Schneelast zu kämpfen: Die immergrünen Hölzer tragen schwer. "Es gibt kein Gebiet, für das wir Entwarnung geben könnten", sagt der Forstoberrat. "Wir haben überwiegend Kiefernwälder. Sie besiedeln 86 Prozent der Fläche in unseren sechs Revieren. Das sind etwa 18 000 Hektar Gesamtwald aller Eigentumsformen, davon zählen 6275 Hektar zum Landeswald, für den wir zuständig sind."

Nicht nur Spaziergänger sind von herabstürzenden Ästen bedroht. Auch Forstarbeiter müssen derzeit besonders vorsichtig sein. Voss: "Wir können im Moment nahezu kein Holz machen. Die Stabilität der Bäume ist einfach zu schwer zu beurteilen. Und die Waldwege sind derzeit fast unpassierbar." Handbetriebene Motorsägen seien schon seit einigen Tagen nicht mehr im Einsatz. "Die Lage ist sehr ernst", sagt der Forstamtsleiter. Der 47-Jährige meint das auch mit Hinblick auf die wirtschaftliche Lage: Die kalten Monate sind eigentlich die Hochsaison für Baumfällarbeiten. In der so genannten Saftruhe sind die Bäume in einer Art Winterschlaf. Sie sind trockener und lassen sich besser weiterverarbeiten.

Die milderen Temperaturen zum Jahreswechsel haben außerdem das Risiko erhöht, dass auch starke Äste brechen und zu Boden fallen. Der Forstmann rät daher beim Waldbesuch dringend zu verstärkter Aufmerksamkeit. "Die Schneelasten auf den Bäumen können dazu führen, dass Äste oder auch Baumkronen plötzlich brechen. Der Frost tut sein Übriges dazu." Der Aufenthalt im Wald beziehungsweise dort wo ein dichter Baumbestand gegeben sei, unter anderem auch auf Friedhöfen und in Parks, sollte vermieden werden.

Als Schneebruch oder Eisbruch werden Bruchschäden an Bäumen durch Schneelast bezeichnet. Der auf den Zweigen liegen gebliebene Schnee hat einen sehr hohen Wassergehalt und ist dann so schwer, dass Zweige abbrechen. Schwache Bäume können vollständig umknicken. Von Schneebruch sind vor allem Nadelbäume betroffen, die eine wesentlich größere Fläche als Laubbäume haben.

"Ich schätze mal, dass wir in unserem Bereich derzeit bis zu 2000 Festmeter Schneebruch zu verzeichnen haben", sagt Voß, der seit 2005 das Amt inne hat. Hoheitlich sind er und sein 40-köpfiges Team auch für die drei Stadtwaldreviere Ludwigslust, Neustadt-Glewe und Grabow zuständig. Der Schneebruch mindere die Holzqualität, so der Forstmann. Ast - und Kronenbrüche sorgten jedoch für weitere Probleme. "Sekundärschädlinge wie der Kiefernprachtkäfer, können so viel leichter in die geschwächten Bäume eindringen." Der Winter 2009 habe nicht für solch großen Eisbruch gesorgt, erinnert sich Voß. Wenn das Wetter wieder etwas offener sei, müssten seine Leute erst mal die Zufahrtswege freischneiden und die umgestürzten Bäume und abgeknickten Äste beseitigen.

"Das kostet Zeit und Geld, um wieder in die Wälder zu gelangen." Bei Forstamtsmann Frank Mahler vom Revier des Ludwigsluster Schlossgartens sieht es momentan ähnlich aus. "Was man von der Straße aus sieht, lässt viel Bruch bei den Kiefern vermuten", sagt der 44-Jährige, der für etwa 3000 Hektar Wald als Revierförster zuständig ist. Auch sein Amtskollege Ulrich Petzack vom Revier Wanzlitz ahnt nichts Gutes. "Schneebruch habe ich derzeit auch jede Menge in meinem Beritt, der rund 4000 Hektar groß ist."

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