"Schmarl hat Entwicklungsbedarf"

Seit 1994 lebt Dietmar Droese (59) in Schmarl. Durch sein Interesse an Kommunalpolitik arbeitet er im Ortsbeirat mit. mapp
Seit 1994 lebt Dietmar Droese (59) in Schmarl. Durch sein Interesse an Kommunalpolitik arbeitet er im Ortsbeirat mit. mapp

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01. März 2010, 07:57 Uhr

Dietmar Droese (59) ist seit 1999 Ortsbeiratsvorsitzender von Schmarl. NNN-Reporterin Maria Pistor sprach mit ihm.

Was macht Schmarl liebens- und lebenswert? Wo gibts Unterschiede?

Droese: Schmarl ist schon äußerlich ein besonderer Stadtteil. Einmalig ist die Architektur, sie hebt sich von anderen Vierteln ab. Die Anordnung der Wohnbereiche um die Versorgungseinrichtungen und Schulen im Zentrum erfordernt nur kurze Wege. Innerhalb der Wohnbereiche befinden sich Kinder- und Betreuungseinrichtungen. Viele Erdgeschosswohnungen haben einen Mietergarten oder sind behindertengerecht. Die großzügigen Innenhöfe durch die Ringumbauung erzeugen ein besonderes Klima. In von mir geführten Videointerviews wurde das viele Grün hervorgehoben. Auch die schnelle Erreichbarkeit der Warnow über den Park an der Hundsburg, von Warnemünde und dem Stadtzentrum gilt als Vorzug. Ich freue mich über den modernisierten Schulkomplex mit der Sporthalle, deren Außenfassade künstlerisch anspruchsvoll gestaltet werden konnte. Mit dem Fischereihafen, dem Gewerbegebiet und der Hansemesse ist Schmarl ein aufstrebender Wirtschaftsstandort. Der IGA-Park mit Schiffbau- und Schifffahrtsmuseum bietet einen attraktiven Freizeitbereich. In Schmarl liegen Wohnen, Arbeiten und Erholen dicht beieinander. Daraus ergibt sich für die Folgejahre Entwicklungspotenzial.

Zu DDR-Zeiten war Schmarl durch Tanzbar, Kino, Kaufhalle und Bibliothek privilegiert. Und heute?

Schmarl ist heute ein Stadtteil mit besonderem Entwicklungsbedarf. Leider ist es nicht gelungen, den Schwung aus der IGA für den Aufschwung des gesamten Stadtteiles zu nutzen. 2003 platzten alle Hoffnungen. Die Einwohnerzahl sank erstmals unter 8000. Drei Discounter schlossen mit existenzbedrohenden Auswirkungen für Kleinunternehmer. Darum war es wichtig, dass der Stadtteil ins Programm "Die soziale Stadt" aufgenommen wurde. Die ersten Erfolge sind erzielt. Ich bin dankbar, dass wir in den nächsten Jahren mit der Hilfe aus diesem Programm rechnen können.

Woran krankt der Stadtteil?

Es sind zwei Probleme: Zum einen die nicht sanierten Wohnungen, die das Stadtbild nach unten ziehen. Zum anderen leer stehende Gewerberäume. 2009 haben alle in Rostock ansässigen Wohnungsunternehmen die Sanierung ihres Bestandes abgeschlossen. Nicht einverstanden sind wir mit den Eigentümern, die die Wohnungen gekauft haben, aber über Jahre nicht erkennen lassen, was sie vorhaben. Die Wohnungen verfallen. Auch wenn Schmarl gut angebunden ist ist - die Vernetzung der Linien ist - im Sinne kurzer Reisezeiten - nicht optimal. Übrigens ist es neben dem Stadthafen und Warnemünde nur in Schmarl möglich, mit Fahrgastschiffen an Land zu gehen.

Ihre Zentren haben Probleme. Leerstand ist nur ein Stichwort.

Der " Messeblick" hatte nur bis zum Bau der Trasse zum Warnowtunnel eine Bedeutung als Einkaufszentrum und war aus meiner Sicht von Anfang an für diesen Zweck eine Fehlplanung. Die Kolumbuspassage ist eine Bereicherung. Aber dem Auszug des Lebensmitteldiscounters folgten andere. Der Vermieter hat zu lange am Wunsch festgehalten, hier einen Lebensmittelhändler zu etablieren. Ernsthafte Bemühungen zur Änderung der Situation vermag ich nicht zu erkennen. Im Zentrum besteht für 2010 Hoffnung auf Verbesserung. Der hintere Teil soll abgerissen werden. Im vorderen laufen Umbauarbeiten für einen größeren Drogeriemarkt.

Wie sieht es mit Ansiedlungen aus?

Wir bauen auf die Unterstützung durch den Unternehmerverband in Person von Dr. Ulrich Seidel. Außer Geschäften wäre die Ansiedlung von Fachärzten ein Wunsch. Der Einbau des Fahrstuhls am Ärztehaus wertet diese Adresse auf.

Wie steht es um Angebote für Kinder und Jugendliche im Wohngebiet?

Bei allen Entscheidungen hat der Ortsbeirat stets dafür plädiert, die Belange der Kinder und Jugendlichen voranzustellen. Das ist mit der Modernisierung des Schulkomplexes, der Bereitstellung von Fördermitteln für die drei Kitas und dem SBZ "Haus 12" gut gelungen. Besorgniserregend ist der stetige Rückgang der öffentlichen Mittel für das Jugendschiff "Likedeeler", das eine einmalige Kinder- und Jugendarbeit leistet. Für notwendige Modernisierung des Jugendtreffs "Schiene" stehen noch Entscheidungen aus. Mit der Umgestaltung des "Schmarler Landgangs" entsteht ein attraktiver Spielplatz im Zentrum.

Der Schmarler Frühjahrsputz ist von der Beteiligung legendär. Warum?

Auch wir haben 2002 bescheiden angefangen und uns dann steigern können. In den vergangenen drei Jahren waren es mehr als 100 Beteiligte. Eine genaue Erklärung habe ich nicht. Ich denke, es liegt auch am Zusammenhalt der Schmarler, ihrem Bekenntnis zum Stadtteil, an der Auswahl der Vorhaben und der straffen Organisation. Ganz wichtig ist die Unterstützung durch das Grün- und das Umweltamt. Das enge Zusammenwirken mit unserem Stadtteilmanager Jörg Overschmidt ist nicht nur bei dieser Aktion von Bedeutung.

Was haben Sie für Wünsche?

Eine stabile Zahl von 8000 Einwohner, deren Einkommen nicht unter dem Durchschnitt der Hansestadt liegt. Eine in allen Belangen intakte Infrastruktur

Unabhängig vom Geld, was würden Sie gern auf den Weg bringen?

Den Bau eines Museumsgebäudes laut gültigem Bebauungsplan am Lands End

im IGA-Park und den Bau einer Brücke über die B103/105 nach Evershagen.

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