Ex-"Tatort"-Kommissar Peter Sodann sagt Rolle im "Freischütz" ab : Schlossfestspiele stehen ohne Gaststar da

'Es geht nicht': Peter Sodann hat  bei den Schlossfestspielen hingeworfen. dpa
"Es geht nicht": Peter Sodann hat bei den Schlossfestspielen hingeworfen. dpa

"Ich sitze hier in einer beschissenen Lage", sagte Peter Sodann. Nicht nur für ihn: Am Mittwoch gab der Ex-"Tatort-Kommissar bekannt, dass er seine Rolle bei den Schweriner Schlossfestspielen nicht spielen wird.

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19. Mai 2011, 12:11 Uhr

Schwerin | "Ich sitze hier in einer beschissenen Lage", sagte Peter Sodann. Nicht nur für ihn: Am Mittwoch gab der Ex-"Tatort-Kommissar bekannt, dass er seine Rolle bei den Schweriner Schlossfestspielen nicht spielen wird. Sodann: "Wenn Kopf und Bauch sich nicht einigen können, höre ich auf den Bauch", so der Schauspieler. Sodann hatte in der "Freischütz"-Inszenierung im Schlossgarten den diabolischen Samiel spielen sollen. Der Part des Teufels in der romantischen Oper war extra für ihn umgeschrieben und deutlich erweitert worden.

Noch vor wenigen Wochen hatte Sodann auf einer ersten Pressekonferenz betont, wie sehr er sich auf das Engagement in Schwerin und die 23 Vorstellungen freue. Gegenüber unserer Zeitung hatte er auch zugegeben, dass er durchaus eine Art Aushängeschild sei, als Stargast für das Staatstheater "ein bisschen Werbung" machen und für Aufmerksamkeit sorgen sollte - und damit überhaupt kein Problem habe.

Nun steht das Staatstheater, das in den vergangenen Wochen ohnehin mit der Theaterpolitik und -finanzierung des Landes zu kämpfen hatte, bei dem der für sein Einspielergebnis so wichtigen Open Air ohne Gaststar da. "Besser, es kommt alles auf einmal, dann hat man irgendwann wieder Ruhe", sagte Generalintendant Joachim Kümmritz mit bitterem Humor. "Das tut weh, aber wir müssen jetzt das Problem lösen." Man müsse und werde Ersatz finden. Gibt es schon Kandidaten? Dazu wollte der Intendant nichts sagen. Zwei Stunden habe er mit Sodann diskutiert, beide seien sich einig gewesen, dass es weder mit dem Theater noch den Kollegen Differenzen gegeben habe. "Es ist nichts vorgefallen", betonte Kümmritz.

Peter Sodann selbst wollte seine Absage nicht an konkreten Gründen festmachen. "Bei den ersten Textproben habe ich festgestellt, dass mir die Rolle nicht in den Kopf will", erklärte der 74-Jährige. Der Samiel gehöre nicht zu ihm, und er habe nicht Gefahr laufen wollen "durch unabsehbare Hindernisse, die in mir schlummern, die Aufführungen zu beschädigen". So eitel sei er nicht, dass er um eines eigenen Auftritts willen eine ganze Inszenierung gefährde. Bei den "Hindernissen" handele es sich aber weder um Probleme mit der Inszenierung noch mit den Kollegen vom Staatstheater, betonte Sodann: "Ich weiß, dass meine Entscheidung übel ist für den Regisseur und Intendanten." Aber er habe sich in Schwerin und am Staatstheater sehr wohl gefühlt.

Das bestätigte auch Regisseur Frank Bernd Gottschalk. Er habe mit Sodann als Erster über die Probleme gesprochen und "bedaure die Absage sehr". Denn es habe sich eine gute Beziehung entwickelt, sogar eine Freundschaft. Gottschalk: "Die wird bleiben." Man müsse und werde nun Ersatz finden.

Von "Hindernissen, die in mir schlummern" hatte Sodann gesprochen, davon, dass die Rolle "mir nicht in den Kopf" wollte und außerdem sein Alter erwähnt und Scherze über Demenz gemacht. Fürchtet der Schauspieler, dass ihn bei den Schlossfestspielen mit seinen dann 75 Jahren das Gedächtnis und der Text im Stich lassen? Nein, betonte Sodann auf Nachfrage unserer Zeitung, das sei nicht das Problem: "Ich habe an dem Text ja selber mitgearbeitet, es ist keine große Rolle, eher ein Klacks." Mit seinem Gedächtnis sei alles in Ordnung, "ich weiß nicht, woran es liegt. Vielleicht ist es die Bühne, oder dass ich hier lauter sein muss." Aber wirklich könne er es nicht erklären. Er habe einfach ein schlechtes Gefühl, es gehe einfach nicht. Vielleicht, so Sodann, "geht es ja nächstes Jahr".

Noch ein Versuch mit Sodann bei den Schlossfestspielen? Offensichtlich ist das Tischtuch tatsächlich nicht zerschnitten: Nach der Pressekonferenz nahm Generalintendant Kümmritz seinen Ex-Gaststar tröstend in den Arm.

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