Bülow : Schlichten statt richten

Für sein zehnjähriges Jubiläum bekam Schiedsmann Klaus Voß einen Blumenstrauß und ein großes Dankeschön vom Direktor des Amtsgerichtes Ludwigslust, Andreas Merklin, und von der Crivitzer Amtsvorsteherin Heike Isbarn.
Für sein zehnjähriges Jubiläum bekam Schiedsmann Klaus Voß einen Blumenstrauß und ein großes Dankeschön vom Direktor des Amtsgerichtes Ludwigslust, Andreas Merklin, und von der Crivitzer Amtsvorsteherin Heike Isbarn.

Seit zehn Jahren sorgt Klaus Voß als Schiedsmann dafür, dass sich Streithähne ohne Gericht und Papierkrieg einigen können

svz.de von
30. Juni 2016, 23:00 Uhr

Die Hecke ist nicht geschnitten, der Hahn kräht zu früh und der Mieter von links beschimpft seinen Mieter zur Rechten immer wie ein Rohrspatz. Hilfe, mein Nachbar wohnt neben mir! Das hat mal der Comedian Marco Herrmann gesagt. Doch alles andere als humorig geht es am Gartenzaun zu, wenn sich das Verhältnis unter Nachbarn so angespannt hat, dass selbst kleinste Lappalien im Gerichtssaal verhandelt werden müssen. Viele Streitigkeiten können aber im Vorfeld einer Gerichtsverhandlung geschlichtet werden.

„Schlichten statt richten“ und „Kein Sieger, kein Besiegter“ – das sind die Schlagworte, mit denen der Bund Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen für sich wirbt. Klaus Voß aus Bülow ist seit zehn Jahren Schiedsmann für die Gemeinden des Amtes Crivitz. Und etwa 80 Prozent der Streitigkeiten, mit denen er konfrontiert wird, finden unter Nachbarn statt. Der 63-Jährige weiß, was nötig ist, damit Streitigkeiten weniger Zeit, Nerven und Geld kosten und die Streitparteien mit hoher Wahrscheinlichkeit eine friedliche Dauerlösung finden können: „Wir müssen zuhören können und unparteiisch sein.“ Drei bis vier Schiedsverhandlungen führt Voß jährlich durch. Dann bittet er die Konfliktparteien zum Sechs-Augen-Gespräch in einen Raum des Amtes Crivitz, hört sich die jeweiligen Standpunkte an und versucht heraus zu finden, warum sich die Situation hoch geschaukelt hat. Mit Fingerspitzengefühl gilt es dann dafür zu sorgen, dass sich die streitenden Parteien annähern.

Dabei komme es, so Voß, auf die richtige Gesprächsführung an. In Schulungen können dies die Schiedspersonen lernen und üben – und sich mit dem Juristendeutsch vertraut machen. Das war für Klaus Voß kein Problem. Der gebürtige Mülheimer ist Diplom-Verwaltungswirt, absolvierte die Fachhochschule für Rechtspflege mit der Fachrichtung Justizvollzug. Seit 1997 lebt und arbeitet Voß in Mecklenburg-Vorpommern als selbstständiger Berufsbetreuer und kümmert sich um Menschen, die selbst ihre rechtlichen Sachen nicht mehr geregelt bekommen. Vor zehn Jahren, als das Amt Crivitz eine Schiedsstelle einrichtete und für die Stadt und die Amtsgemeinden je eine Schiedsperson suchte, wurde Klaus Voß angesprochen. Und er hat Ja gesagt. „Manche wollen als Jugend-Trainer mit kleinen Fußballern etwas bewegen, ich als Schiedsmann“, sagt Klaus Voß, für den jede Einigung ein Erfolgserlebnis ist. Eine Einigung: „In acht von zehn Fällen geht es so aus“, sagt der Schiedsmann. Dann wurde schriftlich festgehalten, dass die Hecke regelmäßig geschnitten werden muss und die Beschimpfungen zu unterlassen sind. Und was passierte mit dem krähenden Hahn? „Der wurde einfach später aus dem Stall gelassen.“

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