Schlechte Ernte setzt Elde-Konserven zu

von
25. August 2010, 12:13 Uhr

zachow | Unruhe bei den rund 170 Beschäftigten der Konservenfabrik Zachow: Weil das Unternehmen in einem Schreiben an die Anleger von "angegriffener Liquidität" spricht, bangen sie um ihre Arbeitsplätze. In der Tat bittet Geschäftsführer Kay Strelow die Inhaber von Anleihen darum, auf die im Oktober fälligen Zinsen zu verzichten. Grund sei die schlechte Ernte und die deshalb nötigen Vorauszahlungen an die Bauern.

Es ist eine Kettenreaktion, die Strelow als Ursache für den Engpass nennt: "Infolge des heißen Sommers sind sind nicht nur die Produktionspläne unserer Gesellschaft erheblich durcheinandergekommen, sondern sind insbesondere auch die Preise für landwirtschaftliche Produkte, insbesondere Gemüse dramatisch angestiegen. Dies beruht auf den schlechten Erträgen der Landwirtschaft in diesem Jahr."

Die Konservenfabrik Zachow habe zur Absicherung der Produktion Vorauszahlungen an die Bauern leisten müssen. Ohnehin muss das Zachower Unternehmen die Produktion vorfinanzieremn. Deshalb sei die Liquidität "erheblich angegriffen" worden. Zudem sei der Absatz - wohl wegen der Wirtschafts- und Finanzkrise - im vergangenen Jahr "deutlich unter Plan" verlaufen.

Deshalb, so Geschäftsführer Kay Strelow, sollten die Inhaber von Anleihen helfen: "Das Unternehmen ist nicht in der Lage, die am 1. Oktober fälligen Zinsen zu bezahlen. Das Unternehmen bittet daher die Gläubiger, auf diese Zinszahlungen zu verzichten."

Ohne einen solchen Verzicht bestehe die "akute Gefahr, dass die Gesellschaft Insolvenz anmelden müsse. Dann würden die Anleiheinhaber möglicherweise ihre Ansprüche vollständig verlieren. Entscheidend für die Zukunft der Elde-Konserven wird eine Gläubigerversammlung am 2. September sein. Strelow stellt klar: "Wir tun das, damit es nicht zur Insolvenz kommt. Ich will das Unternehmen und seine Mitarbeiter schützen."

Mit den so genannten Inhaberschuldverschreibungen hat sich die Konservenfabrik Zachow Investitionskapital verschafft. Es handelt sich dabei um ein Wertpapier, das die Forderung gegen das ausgebende Unternehmen verbrieft - ein normales Verfahren für Mittelständler, um an frisches Kapital zu kommen. Allerdings ist der Besitzer des Papiers nur Geldgeber auf Zeit, nicht Anteilseigner, dafür streicht er acht Prozent Zinsen ein, zahlbar halbjährlich. Banken verlangten seinerzeit 12 Prozent vom Unternehmen. Die Ausgabe der Papiere war also aus Sicht der Elde-Konserven richtig.

Was passiert, wenn die Besitzer der Anleihen nicht auf ihre Zinsen verzichten wollen? Dann würde nach dreiwöchiger Frist das Insolvenzrecht greifen, also Ende Oktober. Derzeit läuft die Produktion, zahlt das Unternehmen Löhne, wie seit 20 Jahren, davon 12 unter der Ägide Kay Strelows. Eine schlechte Ernte dürfe diese Geschichte nicht kaputtmachen, finden viele der Mitarbeiter. Sie hoffen jetzt auf die Weitsicht der Anleihebesitzer...

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen