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Lokales

13. Dezember 2017 | 16:07 Uhr

Schiffe sollen grün werden

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erstellt am 27.Mai.2010 | 07:32 Uhr

Kröpeliner-Tor-Vorstadt | Rund 30 Experten haben gestern im Veranstaltungszentrum der Ospa nach Lösungen zum Konflikt zwischen Ostsee-Schifffahrt und Naturschutz gesucht. Rostock ist als Anlaufhafen für Kreuz-, Fähr- und Frachtschiffe, Fischerei-Standort und Tourismus-Hochburg gleich mehrfach von diesem Thema betroffen. Zu den größten Problemen zählen die Entsorgung der Kreuzliner-Abwässer, die Energieversorgung im Hafen, Lärmbelastung unter Wasser sowie Umweltverschmutzung durch den hohen Schwefelgehalt im Treibstoff.

Die Liegeplätze in Warnemünde verfügen noch über keine geeigneten Entsorgungsanlagen für das Grauwasser der Kreuzliner. Deren Behälter werden bisher mithilfe von Tankwagen oder Bargen geleert. Das soll sich bis Saisonbeginn 2012 aber ändern: Die Hafen-Entwicklungsgesellschaft rüstet für 1,7 Millionen Euro Pumpen und Leitungen in die Kanalisation nach. Bisher verfügen nur Helsinki, Kopenhagen und Visby in Schweden über solche Anlagen, weshalb die meisten Schiffe ihr Abwasser außerhalb der Zwölf-Meilen-Zone im Meer entsorgen. "Das trägt zur Überdüngung bei", sagt Beate Lange, Schifffahrtsexpertin des Bundes für Umwelt und Natur Deutschland (Bund), der die Tagung organisierte. Die rund 80 Millionen Passagiere verursachten jedes Jahr 460 Tonnen Stickstoff und 150 Tonnen Phosphor, die das Pflanzenwachstum der Ostsee anheizen.

Davon ist unter anderem auch der Tourismus in der Hansestadt betroffen. "Algenpest und Quallenplage sind häufig der Wermutstropfen an den sommerlichen Stränden", sagt Corinna Cwielag, Geschäftsführerin des Bund. Das treffe vom Tourismus abhängige Regionen besonders stark. "Unser wertvollstes Pfund ist die Natur", sagt Thilo Schelling aus dem Verkehrsministerium des Landes. Die sei die Grundlage für ein ganzes Spektrum von Arbeitsplätzen im Urlaubsgewerbe, vom mehrsprachigen Empfangschef bis zum Laufburschen im Hotel.

Er verweist aber auch auf die Wichtigkeit des Seeverkehrs für die Wirtschaft in Rostock und der gesamten Bundesrepublik. "Die Häfen sind riesige Gewerbegebiete mit Wasseranschluss", sagt Schelling. Allein durch sie seien auch Nachfolgeunternehmen wie Liebherr, Nordex oder die Erndtebrücker Eisenwerke nach Rostock gelockt worden. Und die sicherten wiederum wichtige Arbeitsplätze. Deshalb werden die Hafenflächen der Hansestadt derzeit auch erweitert - vom Fischereihafen über das maritime Gewerbegebiet Groß Klein bis hin zum Überseehafen. "Davon profitieren selbst Betriebe in Bayern", sagt Schelling. Die Warenströme gingen aber noch weit darüber hinaus.

Darunter leiden müssen unter anderem die Tiere der Ostsee. Denn auch die Lärmbelastung nimmt mit dem höheren Aufkommen zu. Motorengeräusche verbreiten sich unter Wasser 20mal weiter als in der Luft. "Unterwasserlärm kann eine erhebliche Beeinträchtigung der Schweinswale und anderer Organismen darstellen", sagt Karsten Brensing von der gemeinnützigen Whale and Dolphin Conservation Society (WDCS). Am stärksten seien Meeressäuger betroffen, die akustische Signale zur Orientierung, Kommunikation und zum Jagen benutzen. Die Lösung der Expertenkommission: Schutzgebiete, in denen keine Schiffe erlaubt sind. Die existieren zwar schon in Form der Natura 2000-Gebiete Pommersche Bucht, Adlergrund und Oderbank, gehen nach Meinung der Experten aber nicht weit genug. Es fehle ein gezieltes Management. Ohne dies würden Wasservögel und Meeressäuger unter anderem bei der Aufzucht gestört.

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