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Lokales

20. Oktober 2017 | 16:28 Uhr

Schicksalsfrage Straßenbau

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erstellt am 21.Sep.2010 | 08:07 Uhr

Rügen | Die Diskussion um den umstrittenen Neubau der B 96 n auf der Insel Rügen geht weiter. Nach der Veröffentlichung des Planfeststellungsbeschlusses für den rund 20 Kilometer langen Abschnitt von Altefähr bis Samtens prüfen Naturschutzverbände eine Klage gegen das Bauvorhaben.

Naturschutzverbände fordern Alternativen

"Wir sehen noch immer eine Reihe von kritischen Punkten", sagte Marlies Preller vom Naturschutzbund (Nabu) Rügen. So gebe es keinen ausreichenden Risikomanagementplan für das Vogelschutzgebiet. Auch solle das Risiko für Fledermäuse, bei Überflügen ums Leben zu kommen, erst während der Bauarbeiten ermittelt werden, nannte sie einige der aus ihrer Sicht offenen Fragen. Die Klagefrist gegen den Planfeststellungsbeschluss endet Anfang Oktober. Die Verbände haben bereits einen Anwalt beauftragt, die Erfolgsaussichten einer Klage zu prüfen. Seit mehreren Jahren wird um den dreispurigen Neubau zwischen Altefähr ganz im Westen und Bergen im Osten Rügens gestritten, der über weite Strecken parallel zur vorhandenen B 96 verlaufen soll.

Ursprünglichen Planungen zufolge sollte der 80 Millionen Euro teure Bau bereits 2007 mit der Fertigstellung der neuen Rügenbrücke abgeschlossen sein. Mehrmals wurden die Pläne korrigiert, um Einwendungen zu berücksichtigen. Während Verkehrsministerium und Tourismusverband in dem Projekt eine Lösung der massiven Verkehrsprobleme mit kilometerlangen Staus auf Rügen sehen, fordern Naturschutzverbände umweltverträglichere Alternativen und den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs.

Nach Angaben des Ministeriums hat der Verkehr auf Rügen in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Wurden 2007 pro Tag durchschnittlich 14 500 Fahrzeuge auf der zu den Ostseebädern führenden B 96 gezählt, waren es im vergangenen Jahr 15 400. An Sommerwochenenden seien täglich bis zu 23 000 Autos auf der Straße unterwegs. "Die zahlreichen Staus auf Rügen in den vergangenen Monaten haben wieder gezeigt, wie dringend wir die neue Straße brauchen", sagte Verkehrsminister Volker Schlotmann (SPD). 2009 zählte die Tourismusbranche auf Rügen 6,5 Millionen Übernachtungen.

"Die Zahlen zeigen, wie dringend wir andere Maßnahmen der Entlastung auf der Insel Rügen benötigen", konterte die Landeschefin des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), Corinna Cwielag. Die Umweltverbände fordern Ortsumgehungen der vorhandenen B 96. Diese Alternative sei nicht nur umweltfreundlicher, sondern koste auch nur die Hälfte eines kompletten Straßenneubaus mit überdimensionierten Brückenbauwerken. Inzwischen beklagen Naturschutzverbände, dass das Land und die mit der Planung des Verkehrsprojektes beauftragten Firmen nicht mehr zu einer Zusammenarbeit bereit seien. Aus Sicht von Corinna Cwielag führen die im aktuellen Planfeststellungsbeschluss festgeschriebenen Veränderungen zu lediglich "minimalen Trassenoptimierungen".

Prognose für 2025: Täglich 21000 Autos

Um Autofahrern stundenlange Staus auf der B 96 zu ersparen, hatte der Landkreis in diesem Jahr an der Rügenbrücke Schilder aufgestellt, die die Benutzung der alten, mit Alleebäumen gesäumten Bäderstraße empfehlen. Das sei eine Katastrophe und passe nicht zum Alleenkonzept des Landes, sagte Marlies Preller. Aus Sicht der Verbände hat das Land mit den Neubauplänen eine große Chance vertan, ein wirklich zukunftsweisendes Verkehrskonzept für Rügen auf den Weg zu bringen.

Die Prognosen des Landes gehen für 2025 von durchschnittlich 21 000 Autos pro Tag aus. Sollten Klagen ausbleiben, könnte mit dem Straßenbau bereits Ende 2010 begonnen werden. Die Bauarbeiten werden auf drei Jahre veranschlagt.

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