Scherbenhaufen eine Seele geben

Ute Laux verwandelt in aufwändiger Arbeit eine Schaufensterpuppe in eine kunstvolle Fruchtbarkeitsgöttin. Hentschel(2)
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Ute Laux verwandelt in aufwändiger Arbeit eine Schaufensterpuppe in eine kunstvolle Fruchtbarkeitsgöttin. Hentschel(2)

Für innovative Ideen ist die Schweriner Künstlerin Ute Laux bekannt. Inspiriert von einem Projekt der Claramanie arbeitet sie derzeit an einer lebensgroßen Figurengruppe aus Scherben. Im Kunstkontor in der Puschkinstraße können Kunstinteressierte ihr bei der Arbeit zuschauen oder auch helfen.

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24. Februar 2009, 11:39 Uhr

Schelfstadt | "Der Reiz dieser Arbeit liegt für mich darin, das aus kaputten Sachen wieder etwas Neues entsteht, dass ich sozusagen tote Dinge wieder zu neuem Leben erwecke, dass ich ihnen eine Seele einhauchen kann", sagt Ute Laux. Die Idee für das Projekt "Scherbenhaufen" sei ihr bei der "Claramanie" im vergangenen Jahr gekommen, erzählt die Malerin und Grafikerin. "Ich wurde gebeten, eines der Nashornmodelle zu bemalen. Angesichts der vielen bereits bepinselten Kunststoff-Tiere habe ich nach einer anderen Idee gesucht und sie in einer Mosaikgestaltung aus Scherben gefunden, ich habe dem Panzernashorn einen neuen Panzer verpasst. Ich glaube, es ist ganz gut gelungen. Das hat mich inspiriert, damit weiter zu machen", berichtet die Künstlerin.

In der Kunst-Umgebung des Kunstkontors und in der Gesellschaft anderer Künstler habe sie nun ein ideales Atelier für ihr neues Scherbenprojekt gefunden: eine Figurengruppe um die Fruchtbarkeitsgöttin. Den Rohling, eine Schaufensterpuppe, hat sie bereits in eine Person verwandelt. "Es ist wie ein Gleichnis des Lebens: Aus einer willenlosen Marionette wird plötzlich eine Persönlichkeit. Das mitzuerleben macht nicht nur Spaß, sondern auch glücklich", sagt die Schwerinerin.

Offensichtlich geht es auch anderen so. Die meisten Kunden des Laden bleiben bei ihr stehen und schauen ihr über die Schulter, wenn sie bei der Arbeit an diesem Projekt ist - meist von 11 bis 18 Uhr.

Manche unterhalten sich, andere kommen wieder, um den Schaffensprozess zu verfolgen. Oft wollen Kinder auch mithelfen. Sie können beispielsweise große Scherben zerstampfen, sagt Laux und fügt hinzu: "Ich beobachte immer wieder bei Kindern, wie sie völlig neue eigene Erfahrungen machen und zugleich staunen, was man mit der eigenen Hände Arbeit schaffen kann."

Ute Laux ist Vielfalt, Eigenständigkeit, selbst bestimmtes Verhalten wichtig, was sich auch in der neuen Arbeit widerspiegelt. "Wer noch eigene DDR-Erfahrung hat, weiß, was ich meine", sagt sie nur dazu und betont: "Es kommt darauf an, auf eigenen Füßen zu stehen, eine eigene Persönlichkeit zu sein. Das kann man auch mit der Kunst zum Ausdruck bringen." Deshalb will sie vor allem Kinder ermuntern, zu ihr ins Atelier zu kommen, Scherben mitzubringen und mit eigenen Augen zu sehen, wie aus altem, wertlosen Kram etwas Schönes, Neues entsteht. Über den Besuch von mutigen Erwachsenen würde sie sich auch sehr freuen, die ihre Hände oder Arme für Gipsabdrücke zur Verfügung stellen, die die Fruchtbarkeitsgöttin bereichern oder bei Rauminstallationen Verwendung finden sollen.

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