Schauspiel begleitet Pilger

Katharina Kohse als Gänsemagd der von Quitzows. Der Ritter zwang sie zum Bleiben, als ihre Familie fort zog. Im Wald traf das junge Mädchen auf die Pilger, erzählte ihre Geschichte, klage ihnen ihr Leid.
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Katharina Kohse als Gänsemagd der von Quitzows. Der Ritter zwang sie zum Bleiben, als ihre Familie fort zog. Im Wald traf das junge Mädchen auf die Pilger, erzählte ihre Geschichte, klage ihnen ihr Leid.

Theater auf dem Pilgerweg am Samstagnachmittag: Die drei Kilometer durch den Wald von Haaren nach Bad Wilsnack waren ein einziges Vergnügen - wegen der Wanderung an sich, vor allem aber wegen der mittelalterlichen Szenen am Wegesrand. Ein Paradestück lieferte Bärbel Mann als Herbergswirtin.

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28. September 2009, 09:10 Uhr

Bad Wilsnack | Zwei Pilger streifen durch den Wald. Wilsnack ist ihr Ziel. Buße wollen sie tun für ihre Herren, die sind mit Geschäften schwer beschäftigt, können nicht weg aus Hamburg. Und so haben sich die Leihpilger - gegen Bares natürlich - auf dem Weg gemacht. Und nun suchen die Burschen noch eine Jungfer zum Wärmen in der Nacht. Bei den gut 40 Leuten, die sich an diesem sonnigen Nachmittag auf dem Pilgerweg Richtung Stadt befinden, ist nichts zu machen. Dafür sorgt schon die resolute Wirtin (Bärbel Mann), die die Wanderer durch den Wald leitet. Sie wettert aus vollem Hals gegen die Leihpilger, die die Buße so gar nicht ernst nehmen. "Die wollen wir nicht bei uns in der Stadt." Auch Diebe und anderes Gesindel ist im 15. Jahrhundert in dem aufstrebenden Wallfahrtsort nicht gern gesehen. Aber dagegen gibt es ja ein Mittel, weiß die Herbergswirtin: "Seit 1471 darf bei uns gerädert, geköpft und gehängt werden." Einige Jährchen früher schon soll Wilsnack das erste Kaufhaus gehabt haben. Schließlich wollten die Hiesigen ja auf vielfache Weise vom Wunder der drei blutigen Hostien profitieren, das so viele Fremde in die Stadt zog und sie reich werden ließ.

Der Förderverein "Wunderblutkirche" St. Nikolai hatte diese Pilgerwanderung der etwas anderen Art organisiert. "Ja, wir sind gespannt, wie diese Kombination von Laufen und Theater angenommen wird, wie alles klappt", sagte der Vorsitzende Jochen Purps zu Beginn der drei Kilometer langen Wanderung. Als die modernen Pilger gut 3000 Meter später auf der Schlossplatte vor der Wunderblutkirche Platz nehmen, dort nicht nur Kaffee und Kuchen genießen, sondern auch noch eine Szene rund um das Wunderblut, ist es gewiss: Theater auf dem Pilgerweg ist kurzweilig, kommt bei den Leute mehr als gut an. Für viele Wanderer dieses Nachmittags sprechen Dieter und Heidemarie Isernhagen: "Unsere Erwartungen sind noch weit übertroffen worden. Sehr schön ist es auch, dass eigentlich alle Generationen vertreten sind." Das Ehepaar in Wolfshagen pilgert gemeinsam mit Tochter Wibke und Enkel Marvin, beide aus Wilsnack.

Die teils heiteren, teils deftigen Szenen entlang der Pilgerstrecke spielten Christian Schulz und Lutz Bieck (Pilger), Vera Düwert als Dorothea von Quitzow, sowie Katharina Kohse und ihre Luise Kohse - und das mit Bravour. Bärbel Mann führte als Herbergswirtin die Ausflügler nicht nur von Haaren nach Wilsnack und damit von Szene zu Szene. Sie hat Texte geschrieben, das Mittelalter unterhaltsam in Szene gesetzt und quasi nebenbei Wissenswertes über den Wallfahrtsort vermittelt. Als schlaue und geschäftstüchtige Wirtin eine Klasse für sich. An ihrer Seite die Regisseurin des Wunderblutprojektes, Friederike Möckel.

Für Vereinschef Purps ist es nach dieser gelungenen Premiere gar keine Frage, "es wird Wiederholungen geben". Zumal auch schon Orte entlang der Pilgerstrecke zwischen Berlin und Bad Wilsnack ihr Interesse an dem szenischen Spiel bekundet haben.

Purps fügt noch an, dass neben der guten Zusammenarbeit mit der Elbtalklinik bei diesem Projekt die Unterstützung der Sparkassen-Stiftung sehr ins Gewicht falle. Sie beteilige sich an den Kosten.

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