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Marina Matzlow-Garwitz : "Schau an! Schwebende Schiffchen"

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Die Winterruhe der Sportbootfahrer auf der Müritz-Elde-Wasserstraße ist endlich vorbei. Am Sonnabend kündete davon weithin sichtbar ein orangefarbener Autodrehkran an der Kaikante des kleinen Lewitz-Hafens.

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erstellt am 17.Apr.2011 | 07:05 Uhr

Matzlow-Garwitz | Die Winterruhe der Sportbootfahrer auf der Müritz-Elde-Wasserstraße ist endlich vorbei. Am Sonnabendmorgen kündete davon weithin sichtbar ein orangefarbener Autodrehkran an der Kaikante des kleinen Lewitz-Hafens Matzlow-Garwitz. Die Marina unweit der bekannten Schleuse bot 20 Skippern die exklusive Dienstleistung, ihre an Land überwinterten Boote "schwebend" zu Wasser zu lassen.

Kein Wunder dass sich dazu auch viele Schaulustige aus nah und fern einfanden, Hafenmeister Hans Ahrendt achtete auf sicheren Stand des Kranwagens und legte bei den Auflageflächen der ausfahrbaren Stützfüße gar selbst mit Hand an. Auch auf die Befestigung der Traverse an den dicken Kranketten hatte der erfahrene Bootsbauer ein wachsames Auge, denn das stählerne Rechteck würde die Lasten der Bootskörper perfekt ausbalancieren, wenn sie in den breiten Gurten ruhen - jeder einzelne für 10 Tonnen Traglast ausgelegt.

Zunächst werden die Gurte einseitig an dem Metallrahmen befestigt, den der Kranführer der Schweriner Firma K & T dann hoch über das aufgebockte Wasserfahrzeug lenkt. Am Boden führen Helfer die freien Gurtenden unter dem Schiffrumpf hindurch und verschrauben diese an den freien Ösen der inzwischen wieder abgesenkten Traverse. Nicht nur die Schekel (U-förmige Stahlösen, mit einem am Ende einschraubbaren Stift sicher verschlossen) müssen perfekt sitzen, auch auf die Gurtführung kommt es bei dem nachfolgenden Balanceakt an. Nichts darf sich jetzt noch verdrehen und Helfer achten peinlich darauf, dass die Gurte auch exakt an den unter der Reling angebrachten Markierungen anliegen.

Diese bei jedem Boot individuellen Marken kennzeichnen exakt jene Lage, welche beim Krantransport die Waagerechte hält. Denn kaum etwas wäre so fatal, als wenn die schwebende Last ins Rutschen geriete. Auch Ilse und Alfred Masson halten unwillkürlich den Atem an, als sich die zwölf Tonnen ihrer Yacht namens "Floh" sanft von dem Böcken erheben, die sie seit Ende Oktober auf dem Trockenen hielten. Genau so sanft gleitet das stolze zwölf Meter-Gefährt als erstes wieder zu Wasser, welches es im Herbst als letztes verlassen hatte. Seit 2004 hielten sie das schon so, erzählen die stolzen Bootseigner aus Zehmen bei Grevesmühlen, die sich 1994 als leidenschaftliche Paddler aus Hamburg bzw. Lübeck in das Wassersportland Mecklenburg und ineinander verliebt hatten. Diesmal sei die Hechtfortschleuse der Elde bei Grabow ihr sommerlicher Liegeplatz, verraten die Massons noch, bevor sie die Maschine zur ersten Probefahrt starten.

Katrin und Michael Coordes aus Hannover indes freuen sich auf eine erste Ausfahrt Richtung Lübz - weiter kommen sie derzeit noch nicht, wegen der Schleuse Bobzin. Von Matzlow-Garwitz aus starten sie zum erstem Mal, denn ihr Boot namens "MiKa 5" haben sie gerade neu erworben und an Land nach ihren Bedürfnissen umgerüstet. Es sei in den zehn Jahren ihres gemeinsamen Hobbys mittlerweile ihr fünftes eigenes Boot, verraten die leidenschaftlichen Freizeitkapitäne, die beide sowohl den Bootsführerschein See als auch den für Binnengewässer besitzen. Das hiesige Netz aus Wasserstraßen und Seen sei "einfach herrlich", schwärmen die Niedersachsen. "Ab Mai habe ich durch einen neuen Job auch endlich die Zeit, das alles übers Wochenende zu genießen", fügt Katrin Coordes noch unternehmungslustig an.

Es muss aber nicht unbedingt die eigene Yacht sein, wissen Stammgäste der Marina Matzlow-Garwitz. "Fragt doch mal Marga und Uwe", lautet ein freundlicher Tipp aus der illustren Helferrunde, die wie selbstverständlich beim Aufschwimmen der heute insgesamt 20 Boote mit anpackt. Unweit des Hafenmeister-Blockhauses von Eva-Maria und Hans Ahrendt, die diese Marina inzwischen das zehnte Jahr betreiben, findet sich der Campingwohnwagen der Familie Winkler. "Willkommen in unserem Büromobil", ruft die burschikose Uelitzerin schon von Weitem und winkt mit frisch gedruckten Prospekten von "Charterboot-Mecklenburg". 2010 sei sie mit ihrem Mann Uwe, einem langjährigen Möbeltischler von der Boizenburger Elbewerft, angetreten, auch Menschen ohne Bootsführerschein "für kleines Geld" einen erholsamen Bootsurlaub im Mecklenburgischen zu ermöglichen, erzählt die wassersportbegeisterte Finanzkauffrau. "Dafür halten wir im Hafen Matzlow-Garwitz inzwischen drei Motorkajütboote bereit, welche jedermann nach entsprechender fachkundiger Einweisung (fünf Stunden einschließlich erster Schleusung mit Lotsen) selbstständig steuern kann."

Na also, dann steht einem Wasserwanderurlaub zwischen Elbe, Schweriner Seen und der Mecklenburger bis Feldberger Seenplatte ja nichts mehr im Wege. "Ahoi und immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel!"

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